Dienstag, 29. November 2016

630.Post. " Leitfossil "

Neolithische Keramik ist oft bei Grabungen, aber vor allem auf den Oberflächen rar.

Auf einer neuen Siedlungsstelle erhärtet sich der Verdacht, dass hier eine weitere, linienbandkermische Siedlung auf Sonderbucher Gemarkung vorliegt.

Klingenkern, Klinge, Abschlagkratzer und jetzt: Wandscherbe mit Knubbe

Vor Ende des Jahres zeigt sich nun auch endlich im Siedlungsinventar einer erst vor kurzem endtdeckten Siedlungsstelle an der Peripherie der Lagerstätte "Blauberg" Keramik, die nicht so datierungsresistent ist, wie die wenigen bisher dort geborgenen Fragmente. 

Zuvor gab es im Steingeräteinventar schon mehrerlei Anzeichen für einen frühneolithischen Kontext, insbesondere Pfeilspitzen und entsprechende Kerne für das Vorhandensein einer Klingenidustrie, die aber zunächst auch für ein mittleres Neolithikum sprechen könnten. So gravierend haben sich hier Technik und Gebrauchsgegenstände nicht wirklich verändert. Eine Wandscherbe eines Kumpfes mit einer typischen Handhabe, einer Knubbe, weist nun in die Zeit der Linearbandkeramik und damit eine Kulturstufe, die sich ebenfalls auf Sonderbuch/ Schlaghau zeigt. Die Siedlungsdynamik um Sonderbuch wird damit noch differenzierter und es ist erstaunlich, wie klein die Abstände der einzelnen Siedlungen untereinander auf der Blaubeurer Alb sind. Hier musste wenig Raum für  Viele reichen, mussten wenige Ackerflächen mit doch sehr unterschiedlicher Bodenqualität ungeahnt viele Menschen über lange Zeiträume ernährt haben. Unklar ist natürlich auch, inwiefern sich Siedler in Abständen auch immer wieder mal verlagert haben. Nach Nord/Nordwest scheinen sich spätere Siedlungsräume erschlossen zu haben, während die Siedlungen in der Nähe von Blau- und Achtal im großen und Ganzen älter zu sein scheinen- Die Siedlungstätigkeit auf dem älteren Siedlungsterrain  reißt jedoch nicht ab, sondern wurde weiter durchgehend besiedelt, also wuden neue Räme wohl wegen Zuwachs an der Bevölkerung erschlossen, die Altsiedellandschaften weiter genutzt.

  
 Handhaben beim Gebrauchsgeschirr  der Bandkeramiker - Funktion und Ästhetik -(Experimentelle Archäologie)

Montag, 21. November 2016

629. Post.Das archäologische Jahr eines Heimathirsches 2016

Bollingen, Sonderbuch, Asch, London, New York...

Ruhig war es nur im blog...

umso aufregender im Gelände!

vor allem und auch im von Baumaschinen umgepflügten Gelände und an der "Sondengängerfront."

Höhepunkte und Sternstunden

Begonnen hat das Jahr, wo das vorhergehende geendet hat...im Neubaugebiet von Dornstadt-Bollingen, wo bei Erschließungsarbeiten eine urnenfelderzeitliche Siedlung mit neolithischen Komponenten angeschnitten wurde. Den Prospektionen in 2015 folgten Grabungen in 2016. Selbstredend vergingen für mich nur wenige Tage, ohne den Fortgang der Grabungsergebnisse zu verfolgen. Die Presse berichtete verhalten. Eine angekündigte Informationsveranstaltung für die Bevölkerung und Anwohner, die sich - teils sogar aktiv- in die Grabung einbrachten, sollte im Herbst stattfinden und steht noch aus.

An dieser Stelle sei auch hingewiesen auf eine Veröffentlichung in der Reihe Documenta historiae(Editor Emeritus Dr. H.J.Gregor), Band 17, des Münchner Historikers Prof. Dr. Ulrich Linse:

Die Arbeit beinhaltet eine aus den Originalquellen erarbeitete "Rekonstruktion der prähistorischen Forschungen einiger Ulmer Gymnasiasten in den Tälern von Blau und Kleiner Lauter in den 1950er Jahren, speziell die Ergebnisse ihrer Grabungen am Löwenfels von Blaustein und in zwei Abris bei Lautern und Altental betreffend..." ( aus der Zusammenfassung des Autors) ISBN: 978-3-86544-617-6 ISSN 0723-1691.
Ein ausgesprochen interessantes, zeitgeschichtlich unnachahmlich spannendes Dokument aus Vorzeiten der heutigen, modernen Schutzgesetze aus der Feder eines namhaften Historikers, der die wie er schreibt fast  ausnahmslos akademischen, öffentlich wirksamen  Ausgräberpersönlichkeiten seiner Zeit im beschriebenen Raum noch persönlich gekannt hat. Prof. Linse nahm auch an den Ausgrabungen des Steinzeitdorfes Ehrenstein unter Hartwig Zürn teil. Der Band enthält zahlreiche, bislang unbekannte Abbildungen.

UMGEPFLUEGT...GfU ...in eigener Sache...


U.a. auch die "Mitteilungen der GfU" berichten in einem Aufsatz von Prof. H. Floss und Benjamin Schürch teilweise auch von meinen Ergebnissen/Funden von Feldbegehungen...den heute gerne als Prospektionen bezeichneten Oberflächenabsammlungen archäologischer Artefakte der Blaubeurer Alb unter dem Titel:

Paläolithische Oberflächenfunde von der Blaubeurer Alb

http://www.academia.edu/21833135/Pal%C3%A4olithische_Oberfl%C3%A4chenfunde_von_der_Blaubeurer_Alb

Diesem Aufsatz liegt die Bachelorarbeit von GfU- Mitglied B. Schürch zugrunde. Am Tag der offenen Höhle stellte Schürch die im Rahmen seiner ersten wissenschaftlichen Arbeit  darin bearbeiteten Funde (Funde aus Privatsammlungen) auch direkt zum Anfassen vor. Thema seines dortigen Infostandes war die Artefaktmorphologie. Seine Doktorarbeit nimmt seit Herbst im selben Themenbereich Fahrt auf.  Im Sog dieser Paläolithforschung wird sicherlich ganz besonders die sekundäre Hornstein-Lagerstätte Asch/Borgerhau, und auch das Material der ebenfalls damit verbundenen neolithischen Siedlungsentwicklung auf der Blaubeurer Alb publikatorisch profitieren und mit in den Fokus der Wissenschaft rücken.


Der für Augenfunde viel zu trockene Sommer und ein trockener Herbst sorgten für äußerst ungünstige Oberflächenbedingungen, doch die dadurch gewonnene Zeit war durch zahlreiche Einsätze mit der Metallsonde gut verplant. In Heroldstatt-Sontheim konnte deshalb ein neus Gewerbegebiet ausgiebig prospektiert werden, und noch in den Wintereinbruch hinein leistete meine Sonde Dienste auf einem Alamannischen Gräberfeld bei Ehingen-Dettingen, in dem die Bagger standen, weil das Gräberfeld bislang nicht bekannt war. Trotz der ungünstigen Witterung und dadurch erschwerten Oberfächenverhältnissen auf den trockenen Äckern ist es gelungen eine neue, zeitlich differenzierte Fundstelle in der Nähe der Hornstein- Lagerstätte "Blauberg" zu erkennen. Der beste Schutz gegen Verschleppung von Oberflächenfunden sind unsere sommerlichen "Lehmziegelverhältnisse". Da kann man inmitten von Siedlungen stehen und erkennt nichts. Gerdae bei solchen Verhältnissen auf neue Fundstellen zu stoßen grenzt an Wunder. Weniger Neufunde heißt aber auch; weniger Funde auf unbearbeiteter"Halde", denn dort landen diese oft auf lange Sicht.
Unilateral  retuschiertes Artefakt aus 2016

Ein bislang unbekannter, unbeauftragter Sondengänger konnte im Sommer dazu bewegt werden, seine Funde bei der Denkmalbehörde zu melden. Die übergebenen Funde sind für die Archäologie unseres Raumes von wichtiger Bedeutung und machen deutlich, wie groß der Schaden wird, wenn es nicht gelingt hier auf Dauer Kooperationen zwischen interessierten Laien und der Denkmalpflege zu schaffen. Aus interessierten, engagierten Laien könnten verantwortungsvolle Mitarbeiter werden, wenn sich beide Seiten öffnen und aufeinander zugehen. Gräbenschaufler zwischen Fronten braucht die Archäologie nicht und sie führen auch nicht zum Ziel der anderen Seite, für die es nur  zwei Erscheinungsformen gibt: Eine bislang eher kleine Anzahl von legalen, geschulten Kräften die zu Zusammenarbeit bereit und einer großen Zahl von illegalen Sondengängern, die ohne Genehmigung unterwegs sind, weshalb auch Schutzgesetze und damit verbundene Strafen für Zuwiderhandlungen weiterhin nowendig sind. Nur in Bayern gehen die Uhren anders. Ein Urteil über die unterschiedlichen Wege des hier verantwortlichen Denkmalschutzes mag die Geschichtsschreibung fällen.
.
Leider begegneten mir im Gelände dieses Jahr auch wieder Menschen, die wohl niemals an eine Zusammenarbeit denken und die archäologischen Zeugnisse, die in den gepflügten Ackerfurchen oft wie ein offenes Geschichtsbuch daliegen,  als eine Art Ware im Selbstbedienungsladen verstehen, der dann auch noch ohne Bezahlung verlassen werden kann. Letztlich geschieht aber auch das zu einem hohem Preis.Oft sind Funde sicherlich aus wissenschaftlicher Sicht nicht von jener besonderen, Bedeutung, die sie als Objekt persönlich für einen Finder haben und so gelangen solche Funde nach Meldung und Inventarisationsprozedere auch oft wieder in den Besitz der Finder zurück. Bitte zeigen sie Verantwortung und melden sie ihre zufällig gemachten Funde deshalb und lesen sie nichts von Denkmalflächen ab. Auch und gerade wenn sie Geschichtsinteresse zeigen und beweisen  wollen, geht der Schutz der primären Quellen vor für den man sich dann auch in erster Linie einsetzen sollte und auch auf vielfältige Weise einsetzen kann.
Diskoider, formgebend Kanten retuschierter Kern aus Sonderbuch
Zum Ende des Jahres zeichnet sich ab, dass es im Rahmen des geplanten Ascher Heimatbuches als Begleitveranstaltung eine Ausstellung geben wird was die Möglichkeit bietet, urgeschichtliche Funde der Öffentlichkeit aus meiner Sammlung präsentieren zu können. Auch der "erste  Ascher" dürfte wie der "erste Sonderbucher" ein Neanderthaler gewesen sein, wie ein auf Ascher Markung gefundenes Keilmesser zeigt. Besonders aber aus der Zeit der neolithischen Siedler sind zahlreiche Funde vorhanden und die Bedeutung der Hornstein-Lagerstätte im Borgerhau dürfte noch viel Stoff für Forschungen liefern, auch und gerade was frühere Zeitstellungen anbelangt. Die Zeitspanne, bis ein Forscher hier "die letzten Wahrheiten verkündet", dürften nicht nur über diese und die folgende Generation hinaus weisen. Die Funde aus der Bronzezeit und der vorrömischen Eisenzeit -aus Grabhügeln der Ascher Markung sind dagegen in alle Welt zerstreut und finden sich wohl sogar in London und New York, wo Gefäßkeramik als "pottery from Württemberg" präsentiert wird. 

Donnerstag, 6. Oktober 2016

628. Steinzeitfreunde gesucht...

http://www.swp.de/ulm/lokales/alb_donau/Tourismus-Blaustein-baut-an-der-Steinzeit;art1222881,4034244

Die Südwest-Presse vom 6. Oktober 2016 macht es öffentlich: 

MITMACHEN!

Der Förderverein Steinzeitpark Ehrenstein hat noch Platz in Arbeitsgruppen und möchte einen Helferpool gründen...

Es werden Interessierte für die Arbeitsgruppen EVENT, PÄDAGOGISCHES KONZEPT.DAUERAUSSTELLUNG.HAUSNACHBARN, PARKGESTALTUNG, VERMARKTUNG, und SPONSORING gesucht. Interessierte, die keine Zeit oder Lust haben sich in Arbeitsgruppen zu engagieren, könnten einem HELFERPOOL zur Verfügung stehen, um sich hin und wieder mal ein zu bringen, wenn Not am Mann und an der Frau sein sollte und jeder Interessierte kann zu Arbeitseinsätzen oder Events dazu stoßen.

2011 wurde das Steinzeitdorf Ehrenstein als Teil der Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen zum UNESCO WELTERBE

Noch sieht es nicht nach Freilichtmuseum aus...
und auch nicht nach schützenswertem Welterbe:
Der zukünftige Eingangsbereich bei der RAN-Tankstelle
Sagt schon die Wochenschau 1952 zur Umgebung:
"Seltsamer Kontrast..."

Einige Funde aus den Zufallsfunden 1952 und den Grabungen 1960 sind im Foyer des Blausteiner Rathauses zu sehen.

 Es geht um Hornstein...und anders als in Blaubeuren um dessen Verwendung in der Jungsteinzeit, dem Neolithikum und damit um eine Darstellung, wie sie vor Ort einmalig ist. Noch hat das Neolithikum nur im Ulmer Museum eine "Heimat" gefunden.

Wo kam das Rohmaterial her? Gibt es Hinweise auf die Ausbeutung der Lagerstätte im Ascher Borgerhau? 

Da das Blaubeurer Museum sich als "Wissenschaftsmuseum" versteht, das sich ausschließlich um die Erfoschung und Darstellung des Paläolithikums bemüht (Siehe Dr. Kölbl, Südwestpresse v. 6. Okt.2016, Netzwerktreffen Ice Age Europe), hat es mit den ersten Bauernkulturen nichts am Hut und so wird vielleicht hier in Blaustein eine Lücke bei der Darstellung und Vermittlung der neolithsichen Kulturen geschlossen. Ein reiches Erbe liegt in nächster Nähe auch auf den Hochflächen der Blaubeuer und Ulmer Alb, das bislang nicht oder nur wenig im Fokus der Wissenschaft steht.
Morphologischer Mumpitz
stark verbesserungsfähig...und ausbaufähig! Dass Abschläge zu KLINGEN
weierverarbeitet worden wären ist etwas, was man an einer Welterbestätte so
nicht  sagen sollte, weil es schlicht falsch ist.
Und: gut erklärt ist die Technologie gar nicht so kompliziert

 Im Ascher Borgerhau wurde Keramik der Michelsberger Kultur gefunden und das ist die Keramik, die auch in Ehrenstein eine Rolle spielt. 



Die Ehrensteiner Kalksteinscheiben,
weltweit bisher nirgends sonst gefunden
Die Wochenschau zur Grabung:
https://vimeo.com/57846961

und:
http://www.denkmalpflege-bw.de/fileadmin/media/pfahlbauten/PDF/Blaustein_will_mit_einem_Park_auf_Unesco-Welterbe_aufmerksam_machen___S%C3%BCdwest_Presse_Online2.pdf

Mittwoch, 5. Oktober 2016

627. "Die tun was..."

http://www.bodendenkmalpflege.lvr.de/de/aktuelles/veranstaltungen/prospection_conference_2017.html


aus dem aktuellen DGUF Newsletter:

"Finds in the landscape - New perspectives and results from archaeological
field surveys" (Köln, 12.-13.6.2017, CfP bis 28.10.)
Eine internationale Tagung wird sich im kommenden Juni der Durchführung
und Auswertung archäologischer Feldbegehung widmen. 
Präsentiert werden sollen Fallstudien aus verschiedenen europäischen Ländern ebenso wie
methodische Überlegungen, die die Fundverteilungen an der
Ackeroberfläche auch und gerade in Kombination mit anderen
Prospektionsmethoden, Archivrecherchen und Ausgrabungen untersuchen und
auswerten. Themenschwerpunkte sollen siedlungs- und
landschaftsarchäologische Forschungsprojekte in Europa sein, die
Verlässlichkeit von Prospektionsergebnissen, insbesondere im Rahmen des
präventiven Kulturgüterschutzes, sowie die Analyse von Fundplätzen, die
durch landwirtschaftliche Tätigkeit vollständig verlagert wurden. Die
Tagung wird veranstaltet vom LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.
Vortragsvorschläge können bis 28.10. eingereicht werden.
http://www.prospection-conference-2017.lvr.de

Donnerstag, 22. September 2016

626. Post. Verhackstückt.

UMGEPFLUEGT... ohne den Pflug kämen viele Fundstellen nicht ans Tageslicht

und ohne die Landwirtschaft wüsste man nicht um viele Fundstellen, bei denen der umstrittene Satz greift, man könne nur schützen, was man auch kennt...



Über die Erkenntnis von Fundstellen hinaus, leisten die landwirtschaftlichen Geräte den Bodendenkmalen jedoch in vielerlei Hinsicht im Verlaufe weniger gute Dienste, wobei ich die Berechtigung aller Belange der Landwirtschaft jedoch nicht in Frage stellen möchte.
Der Pflug ist auch sicherlich nicht das entscheidende landwirtschaftliche Gerät, das die größten Schäden an Bodendenkmalen anrichtet. Sonst hätte ich ihn nicht synonym für das Erkennen von Bodendenkmalen für dieses blog gewählt. Ohne die Landwirtschaft hätte unsereins sehr viel Zeit für andere Hobbies.
? ? ?
 Die Bodeneingriffe im landwirtschaftlichen Bereich sind vielfältig und manche Maschinen, wie etwa die Kreiselegge leisten hier manchmal "ganze Arbeit" Erfolgt kein systematisches Absammeln und Einmessen, bleiben die Funde als Teile des Bodendenkmals bis hin zum vollständigen Verlust in ihren Aussagen nur noch vage
Jungneolithische Sichelfragmente von einem Siedlungshügel bei Sonderbuch. Nachdem hier jahrzehntelang auf kleinen Parzellen in anderer Pflugrichtung kleine Traktoren eingesetzt waren, schafft heute ein großer Traktor mit entsprechendem Gerät im Großeinsatz in gedrehter Pflugrichtung  über alle tradierten Pazellengrenzen hinweg schnellere und tiefgreifendere Tatsachen. Eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. Liegt das Artefakt unbeschädigt im Keller, war der Sammler jeder Form von Gott sei Dank schneller...
Man kennt die Bodendenkmale - und kann sie doch oder gerade deshalb nicht mehr umfassend schützen. Es ist auch kaum etwas dagegen zu tun, wenn man auf dem Acker wie vergangenen Sonntag einen "Spaziergänger" trifft, der am Sonntagmorgen mit dem Rücksack quer über die neolithische Siedlung streift und angibt, er suche nichts. Er wisse, dass hier ein Denkmal sei und man das schützen müsse, er wohne ja im Dorf nebenan. Auch die Flurbezeichnung war ihm bekannt. Im großen Rucksack hat man dann wohl ein Vesper...Nichtstun fern der Heimat kann so anstrengend sein und verlangt Stärkung. Sicher ist der Typus Bandkeramische Siedlung bekannt, oder auch der der stichbandkeramischen, aber nicht unbedingt auf der Blaubeurer Alb, und es wird nicht möglich sein, alle Siedlungen für alle Ewigkeiten zu erhalten. Da es sich in diesem Bereich um lange Siedlungstätigkeit handelt - paläolithische, bandkeramische, mittelneolithische, jungneolithische und bronzezeitliche ebenso wie Schlagplätze und Lagerstätten ohne Siedlungstätigkeit, liegt hier wohl ein umfassend schützenswerter "Typus" von Fundstelle bei dem es sicherlich ganz besonders fatal wäre, wenn Fundstücke verschleppt würden. Hier bedienen sich Sammler - bekannte und wie im vorliegenden Fall unbekannte, die ihre Funde nicht melden und für sich behalten - seit den 1950er Jahren und hinterlassen wie die Kreiselegge nur Fragmente auf einem "Ensemble von Bodendenkmalen,", auf einer Fläche sehr dynamischer Siedlungstätigkeit und Spuren von Ereignissen, deren Typen noch lange nicht geklärt sind. Schützen lässt sich Bekanntes wohl leider auch nicht mit meinem Moralin. Am besten ist, es wächst wieder Gras über die Sache. Gut gemeinte Aufklärung kommt da lange zu spät, wenn der schleichend nagende Schaden bereits eingetreten ist. Denkmallisten sind wohl all zu oft nichts anderes als "Schatzkarten". Auch die Intention hier im blog zu vermitteln, ist nicht mehr als eine Intention und sozusagen "gut gemeint", was nach Tucholsky auch als Gegenteil von gut in Erscheinung treten kann.  

Was wissen wir von unserer Geschichte?---
:...Der junge Alexander eroberte Indien.
Er allein?
Cäsar schlug die Gallier.
Hatte er nicht wenigstens einen Koch bei sich?
Philipp von Spanien weinte, als seine Flotte
Untergegangen war. Weinte sonst niemand?
Friedrich der Zweite siegte im Siebenjährigen Krieg. Wer
Siegte außer ihm?..." (Brecht)


Tun wir nicht so, als wüssten wir schon alles, was unsere Geschichtsbücher seit hundert Jahren herunter beten...ohne Erhalt der primären Quellen bringen wir uns um unsere Wurzeln und zerstören das umfasssende Wissen um die ganze Wahrheit. Und eine halbe Wahrheit ist nach Waggerl nie die Hälfte einer ganzen.


Absammlung gegen den schleichenden und endgültigen Verlust JA- im gesetzlichen Rahmen allerdings unter Einhaltung wissenschaftlicher Standards - Handel/  anonymes Verschleppen mit persönlicher Bereichrerung NEIN. Anmerkung, Edit.: 

Die DGUF schreibt zu Aufsammlungen/ Handel mit Antiken dazu im aktuellen Newsletter:



Komplizierte Lage bei Funden u. a. aus Deutschland
Aus Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern gibt es immer wieder auch
Objekte, die nicht aus offiziellen wissenschaftlichen Grabungen stammen, aber dennoch legal
zutage gefördert wurden. Hier wird die Sache etwas komplizierter: Als legal ausgegraben
gelten Funde dann, wenn eine Person eine Ausgrabung oder eine sog. Aufsammlung mit
Bewilligung des Grundeigentümers und mit einer Erlaubnis der örtlich zuständigen
Denkmalschutzbehörde ("Nachforschungsgenehmigung") durchgeführt und 
die Funde ‒ so verlangen es die meisten Gesetze ‒ der zuständigen Fachbehörde gemeldet hat. In den
meisten Bundesländern gilt ein sog. Schatzregal. Das ist eine gesetzliche Regelung, die besagt,
dass herrenlose Schätze, die bis zur Auffindung verborgen waren, automatisch in das Eigentumdes Staates übergehen.
Sie können also nicht legal in den Handel gelangen. Wenn aber die Objekte nicht als "von besonderem wissenschaftlichen Wert" eingestuft wurden und der Staat
auf sein Eigentumsrecht verzichtet, ist der Finder auch rechtmäßiger Eigentümer und darf die
Funde auch legal verkaufen. Schatzregalien gibt es in allen Bundesländern außer in Bayern. 
In Bayern gilt bei herrenlosen Funden die "Hadrianische Teilung". Sie besagt, dass solche Funde
zur Hälfte in das Eigentum des Finders und zur anderen Hälfte in das des

Grundstückseigentümers übergehen. Beide dürfen ihre Funde wiederum legal verkaufen.

Samstag, 17. September 2016

625. Post. Bifacielles aus Sonderbuch

Zu einem in der Nähe des neuen Fundortes gefundenen und schon vorgestellten "Glisbeil", das wohl in das Jungneolithikum datieren dürfte,

gesellt sich ein weiteres Stück, mit ähnlicher Morphologie...

Das beidsetig, flächenretuschierte Werkzeug zeigt unilateral eindeutig eine überprägende Formgebungsretusche. Die Grundform ist unklar. Entweder handelt es sich um einen dicken Abschlag, oder es ist ein bifaziales Kerngerät.

Die Funktion ist ebenfalls unklar. Ähnliche Geräte wurden oft als (bifacielle) Schaber bezeichnet, auch wenn sie aus eindeutig jungneolithischem Kontext stammen. Der Zeithorizont ist hier jedoch unklar.   






Eine Lateralretusche wirkt schuppig und zeigt, dass es sich hier
eventuell dorch um die Ventralfläche einer Abschlagsgrundform handelt.



durch Gebrauch verrundete Kante

...Glisbeil & Co von einem über lange Zeiträume belegten Siedlungshügel bei Sonderbuch, der überwiegend Artefakte der Linienbandkeramik, aber auch paläolithische, sowie mittel- und jungneolithische Artefakte zeitigte. Dazu gibt es einige getemperte Silices, Stücke die einer Hitzebehandlung unterzogen wurden, wie sie im hiesigen Frühmesolithikum vorkommt und ebenfalls sehr kleine Kerne. Damit zeigt dieser Platz alle steinzeitlichen Zeithorizonte und die zeitliche Einordnung der von der Oberfläche geborgenen Artefakte kann sich dementsprechend schwierig gestalten. Eine vergleichbar spannendere Freilandfundstelle ist mir  auf der Blaubeurer Alb nicht bekannt,zumal es wohl auch noch eine bronzezeitliche Komponente in Form von Grabhügeln gegeben haben muss, die inzwischen alle abgepflügt wuden. Zudem hat sich durch Zusammenlegung von Fluren mittlerweile die bisherige Pflugrichtung geändert und die urspüngliche Fundeinteilung auf vier Parzellen/Flurstücke  ist hinfällig und alte Absammlungen müssen mit den alten Karten verortet werden. Durch das heutige Aufnahmesystem mittels GPS ist dies zwar unerheblich, aber zeigt, welche Halbwertszeit die ohnehin reduzierte Genauigkeit einer Fundmeldung die sich auf Angabe des Flurstückes beschränkt, haben kann...Mehr als die Angaben von Flurstücksnummern, notfalls deren Teilbereiche sahen die alten Fundmeldungen nicht vor. Einmessungen erfolgten meinerseits durch Einsicht ohne Vorgaben der Denkmalpflege und sollten heutigentags Standard sein. Ausreichende Daten liefert heute jedes mobile Telefon für die es auch schon lange passende Apps gibt.

Erster und zweiter Eindruck eines Laien können jedoch die wissenschaftliche Analyse nicht ersetzen und ergibt oft neue Aspekte und völlig andere Ergebnisse. Gut, dass jetzt größere Teile der Sammlung in wissenschaftliche Arbeiten einfließen können.

Wie archaische Werkzeuge wirken auch die zahlreichen diskoiden Kerne von diesem Flurstück:

Symmetrie am Kern...oder doch ein Kerngerät? Kerne wie dieser
kantenretuschierte, diskoide Kern führten dazu, dass diese gelegentlich als
Schaber angesrpochen werden.

Das bifacielle Werkzeug - keine Garantie für das paläolothische Novum

Freitag, 16. September 2016

624. Post. Bilder vom Tag der offenen Höhle am Geißenklösterle Blaubeuren

Alle Jahre wieder- mit altbekannten und neuen Gesichtern 2016 während eines scheinbar nicht mehr enden wollenden Sommers...



Fundbestimmung und Anlaufstelle für alle Fragen der Artefaktmorphologie, 
diesmal mit Oberflächenfunden der Blaubeurer Alb- ua.
aus der Sammlung Robert Bollow.
Mehrere Jahre ein Beitrag von Professor Müller-Beck. zum Tag der offenen
Höhle..ein altbekanntes Gesicht, das fehlt.


Ein neues Gesicht, nicht nur zu Fragen der Artefaktmorphologie:
Benjamin Schürch, Bachelor und Masterstudent der
Eberhardt Karls Universität Tübingen, der sich seit einiger Zeit
mit den Oberflächen-Sammlungen der Blaubeurer Alb beschäftigt.
Vorstandsmitglied der GfU (studentischer Vertreter des erweiterten
Vorstands)
Vorgelegt:
Aus der Sammlung Bollow (u.a.) 




Nachgefragt...
bei Hannes Wiedmann


Was Du bist, bin ich gewesen,
was ich bin, das wirst Du sein...

Ein Mitteldeutscher aus dem Mittelalter spricht
zu den Besuchern


Vorgestellt:
Ergebnisse der Aktion UMGEPFLÜGT...und ausgewertet,
irgendwo muss man ja mal anfangen...unter den Zehntausenden
von Artefakten...

Eingenebelt,
beim Stockbrotbacken

Abgeschabt,
Wie ein Speer entsteht...
einer der beiden Künstler am Silex
"Gefaked"
Zu schön um wahr zu sein...
Marek Thomanek bringt perfekte Werkzeuge unter die
heutigen Jäger und Sammler, die einmal durch ihre Perfektion,
zum anderen durch zahlreiche Varietäten des Rohmaterials beeindrucken.

Abgefeuert


Eingehakt und
Weggeschleudert

Eingehakt:
Ende einer Speerschleuder
Experimentelle Archäologie

Experimentelle Archäologie

Nachgebaut:
Vorschlag zur Verwendung mittelpaläolithischer Spitzen.
Experimentelle Archäologie

Schöningen lässt grüßen:
Experimentelle Archäologie


Perfekt erklärt...

Nachgekocht:
 Der Klebstoff der Steinzeit/ Birkenteer

Wer traut sich?

Selbstverständlich ist auch an solchen Tagen immer noch Zeit nach zu schauen, was auf der Alb herausgepflügt wurde:

Hochglänzender und eventuell getemperter Klingenkern
aus dem Bereich mit paläolithischen Funden und einem neolithischen
Schwerpunkt

der Kern hat eine fazettierte Schlagfläche

Abschlaggerät- mit Retusche nach ventral am Proximalende.
Hier wurde der Bulbus weg genommen, um eine gerade
(Arbeits-?)Kante zu erzielen.


Auch die letzten Jäger des Neolithikums sandten morgens einen Gruß
zum Tag der offenen Höhle...
(Stichbandkeramische Siedlung, mittleres Neolithikum, Sonderbuch)