Donnerstag, 31. März 2011

218. Post. Die größten Kerne aller Fundstellen um Sonderbuch. Siehe auch clips der Posts 223-225.1115 g. Sond 005.Grund mit 5 Schlagflächen . Einem ziemlich regelmäßigen Abbau an verschiedenen Schlagflächen wäre dann wohl bei weiterem Abbau ein amorpher Restkern, wie sie auf vielen Siedlungen zu finden sind gefolgt. Gründe für einen Abbruch des Abbaus sind hier nicht zu erkennen. Für einen Siedlungsfund sehr großes Artefakt und größer/schwerer als der größte durch die Grabung gefundene Kern. Dieser Kern ist fast weiß, mit nur leichter, grauer Bänderung.dto. Verworfene Kerne dieser Größe sprechen sicher für die nahen, leicht verfügbaren Ressourcen. dto 1004 g. Sond005.Grund. mit 3 Schlagflächen - auch dieser Kern wäre durchaus noch abbauwürdig gewesen. Die Kriterien aufgrund derer ein Kern verworfen wurde sind unterschiedlich. Oft ist es die Größe, eine Kluft und/ oder Angelbrüche. In Zeiten oder Gegenden knapper Ressourcen, weisen sie geringe Größen und weitgehende Ausbeute auf. Es gibt aber auch eine interessante Hypothese, wonach die möglichst gute Ausbeute und restlose Verarbeitung des regional vorhandenen oder erworbenen Materials mit der Vermeidung von Auseinandersetzungen unter Nachbarn einhergegangen sein könnte. Der Stein speichert diese Informationen, man muss nur lernen sie zu verstehen. Eine ebenfalls fast weiße Varietät.Restkern, Rücken fehlt, mit noch erkennbar 2 Schlagflächen. 650g. Eine deutlich gebänderte Varietät, wie sie in ganz Europa vorkommt.Sekundärverwendung als schwerer Klopfer: die Schlagnarbenfelder... Schlagfläche eines großen Kernes von einem Lesesteinhaufen . Das große Stück wurde beim Steinelesen vom Landwirt weg gebracht, weil es mit seiner deutlichen Größe für Schäden an den Landmaschinen sorgen könnte. Vor allem die Messerbalken der Mäher oder Mähdrescher sind dadurch in Gefahr. Also verschleppt, Kontext unbekannt. Feine Bänderungen. Unten: graue Inclusen, Reste von Lebewesen. Die "Rostspuren"(Eisenoxid) kommen von "Beutelungen" durch Landmaschinen...In Anlehnung an Betonwerksteine, die in Trommeln gewollte Kanenbestoßungen erfahren um sie künstliche altern zu lassen, nenne ich das "Hornstein, gerumpelt." Der Lesesteinhaufen lag am Rande des Borgerhau.



Rechts der größte Kern ,Nahe des Borgerhaus von Wipp005. Langes Mahd. Sekundär ein Klopfer. auf der Abbaufläche liegt das oben dargestellte Schlagnarbenfeld. 218. Post. Die größten Kerne aller Fundstellen...um Sonderbuch Allesamt Hornstein, "Borgerhau type". Von: Langes Mahd, Wippingen aus der Nähe der Abbaustelle Borgerhau, einem unbenannten Lesesteinhaufen bei Wippingen, ebenfalls Nähe Borgerhau und drei unbeschädigte Kerne vom GRUND, wohl aus dem stichbandkeramischen Kontext. An der Fundstelle fanden schon Grabungen statt. Die dortigen Siedlunsgruben enthielten auch Keramik . Die Siedlungen erbringen sowohl große, als auch kleine Kerne und da sie morhologisch gleich angesprochen werden, sind Unterscheidungen am besten wohl durch die Angabe der Größe und das Gewicht möglich.

Der Wald Borgerhau bei Blaubeuren-Asch war im gesamten Neolithikum- nachweislich von etwa 4500 bis 2000 vor Christus ein durch Pingen-Abbau genutztes Gebiet. der Jurahornstein "TypAsch" oder auch im englischen Sprachraum "Borgerhau-Type" genannt, zeichnet sich durch eine weiße Varietät, durch feine bis grobe Bänderungen aus, oder kommt in einer deutlich grauen Varietät vor, wie sie für ganz Europa typisch sind. Hier kommen aber auch verkieselte Kalke und Kieselkalke vor. Viele dieser Varietäten wurden vor der Entdeckung teilweise als Importe angesehen. Dies gilt vor allem für die gute Qualität der grauen Silices. Einfärbungen durch die sekundäre Lagerung in Lehmen wie sie andernorts auftreten ( gelbe, braune bis rote Varietäten) wurden noch nicht dort gefunden. Diese als Bohnerzhornsteine unterschiedene Varietäten konnten bislang nur auf den Siedlungen nach gewiesen werden und werden als Importe angesprochen. Neben den weißen bis brauen Vorkommen scheint es in Sonderbuch "Halde" in der Nähe des Flugplatzes einen begrenzten Aufschluß mit ockergelben bis rötlichen, sekundären Verfärbungen zu geben, zu denen kein bergmännischer Abbau nach zu weisen ist. Ich verdanke diesen Hinweis Herrn Siegeris ( stud .phil. Tübingen)

Einen interessanten Einblick in die Welt der archäologisch-prähistorischen Gesteinsrohmaterialien erfahren Sie in der PRÄHISTORISCHEN LITHOTHEK von MARKUS SIEGERIS. Die Rohmaterial Vergleichssammlung im Internet eingestellt entstand auch während der Magisterarbeit und ist noch im Aufbau. Herr Siegeris freut sich über Hinweise von Rohmateriallagerstätten. Hier der Link zu diesen Seiten:



in englisch auch bei flinsource.net gibt es bechriebene Hornstein-Vorkommen. Asch ist hier beschrieben (Borgerhau) und fälschlicherweise Blaubeuren - Blauberg. Die survey um Fisher und Knipper/Schreg versuchten hier den Abbau von Hornstein zu belegen. Es gibt zahlreiche Obeflächenfunde, die dafür sprachen. Ein Nachweis für den Abbau konnte noch nicht erbracht werden.




oben: Abbaustadien an einem Klingenkern nach einer Bildbearbeitung von C.Fuchs, Mönchengladbach.

Jo napot- nach Ungarn, und: Örömmel udrözöljük! für die ersten Besucher!

Dienstag, 29. März 2011




217. Post. Bifazial retuschieres Fragment...von SOND008,518/8. Schlaghau.
Entweder ein Bruchstück (Medialfragment) eines größeren Gerätes, denkbar wäre ein Messer oder ein jungneolithisches Dolchfragment, oder aber eine Vorarbeit zu einem kleinformatigen Stück, denkbar wäre eventuell eine Pfeilspitze und zu diesem geplanten Endprodukt fehlte die "Spitze" ( der Schlagflächenrest mit dem Bulbus) und es wurde verworfen. Der starke Glanz des Rohmaterials begegnet in zahlreichen Pfeilspitzen und belegt vielleicht eine thermische Behandlung der Grundform, die noch eine (sehr dünne) Kortex trägt.
216. Post. Neuer Kratzer aus Sonderbuch Schlaghau.
Ein Beispiel für "Kratzer" der Art, die durch Gebrauch gezeichnet ist begegnet uns in einem Neufund vom Schlaghau (518/8). Die hohe Kratzerkappe(-stirn) hat eine deutliche Reduktion durch Gebrauch erfahren. Das LBK-typische Werkzeug ist nicht namensgebend durch die Verwendung definiert. Der "Kratzer" ist nicht zwangsläufig zum "kratzen" benutzt worden und seine Bezeichnung ist mehr irreführend als erklärend fest gelegt worden. Damit unerscheidet sich der Kratzer artefaktmorphologisch in der Ansprache etwa von einem Bohrer, der in der Definition durch seine Verwendung angesprochen wird. Womit also die Vorfahren in der ausgehenden Steinzeit die Kratzerkappe abgearbeitet hatten bleibt unerklärt. Viele der Kratzer vom Schlaghau sind sehr viel besser erhalten und zeigen nicht diese starken Gebrauchsspuren, die hier zu einem deutlichen Einzug der Arbeitskante, vielleicht auch durch Nachschärfen noch verstärkt, nach ventral führten. Genaueres zum Gebrauch von Werkzeugen bringen Gebrauchsspurenanalysen, die nicht mit "Hausmitteln" durch zu führen sind. Sie sind ein Beispiel dafür, dass Archäologie vor allem auch auf andere wissenschaftliche Disziplinen angewiesen ist.

Sonntag, 27. März 2011

215.Post. EIN LINK FÜR ALLE SUCHENDEN UND LERNENDEN. Rolf-Peter-Gawels Steine-Scherben-Seite. Eine schöne, klare und verständliche Übersicht über Artefakttypen und Rohmaterial, speziell für das Rheinland, aber mit "universellen" Aussagen, Informationen und Fachwissen. http://steine-scherben.de/index.htm Das gleichnamige Forum existiert seit Ende März nicht mehr. Links weiter unten in dieses Forum können deshalb nicht mehr angezeigt werden.

Sonntag, 20. März 2011

214. Neue Kratzer vom Brennerhäule...und Nähe Borgerhau....
Kratzerkappe/ stirn eines großen Abschlags
Lateralretusche an einem großen Abschlagkratzer, ( rechtslateral...nach dorsal, weitgehend intakt)
(... und linkslateral, also rundum nach dorsal, gegen das Proximalende zieht eine leichte Bucht ein )


Das kleine Ensemble vom 20. März 2011
links, bis auf den Schlagflächenrest nach dorsal retuschiert. 2. von lings linkslateral und endretuschiert, mittel- bis jungneolithisch? rechts die vermutlich altneolithischen Werkzeuge.
Bis auf den bandkeramischen Kratzer rechts Formen, die schon in älteren Kulturstufen begegnen. Der Klingenkratzer zweiter von rechts hat einen rezenten Ausbruch/ Schaden, keine Bucht.
Klingenkratzer, nur das Distalende trägt eine Retusche: die Kratzerkappe...Die Grundform ist eine sekundäre Kernkantenklinge.
...die durch Gebrauch verrundet erscheint.
Ausbrüche durch Gebrauch an der regelmäßigen, intentionellen Retusche


Hornstein, lokal, eine Varietät, die ohne getempert worden zu sein eine leicht rosa Färbung besitzt, die der Hornstein auch in anderen Ausfärbungen an den sekundären Lagerstätten aufgenommen haben muss.



214. Post. Neue Kratzer vom Brennerhäule (Asch) und aus Wippingen 005, Nähe Borgerhau.
Zwei kleine Krazter, davon ein kurzer Abschlagkratzer, und ein Kingenkratzer, beide aus Wippingen Langes Mahd, Nähe Borgerhau, wohl aus Linienbandkeramischem Kontext

Die beiden großen Kratzer besitzen außer der Kratzerkappe, einer Stirnretusche also am Distalende der Grundform auch Lateralretuschen.Alle Retuschen gehen nach dorsal. Diese großen, hohen Formen, wohl auch beide neolithisch, kommen über einen Zeitraum des gesamten Neolithikums in Frage. Die sehr regelmäßigen Retuschen, durch Gebrauch teilweise überformt, sprechen vielleicht für jungneolithische Zusammenhänge.


I am very happy, because of the first page view from India! Namaste! aap ka swaagat hein!

213. Post.Das Atelier Bernard Ginelli in Les Eyzies de Tayac

Solutreen-Spitzen. Bildbearbeitung C.Fuchs.


213. Post. Das Atelier Ginelli, ein Link für Lithophile...
Stücke oben, aus dem Atelier Ginelli. Bernard kennzeichnet alle Steinwerkzeuge aus seinem Atelier.
Das Atelier B. Ginellis in Les Eyzies, Südwestfrankreich.

213. Post. Bernard Ginelli...
Link zu einer Werkstatt in Frankreich (Les Eyzies) mit dem unangefochtenen besten tailleur de silex/ Steinschläger... dem ich schon mehrere Male über die Schulter schauen konnte. Für Freunde der experimentellen Archäologie ein Muss und wohl allen Steinschlägern bekannt.

Dienstag, 15. März 2011

212. Post. Gedanken eines Heimathirsches...
Dem Sammler ergeht es wohl in der Regel wie dem Förster, dessen Bäume Schatten spenden, wenn er selbst nicht mehr ist...
Die Äcker selbst belohnen den Sucher, Sammler, Finder, selbsternannten Forscher ( ...nach der verlorenen Zeit?) durch die kleinen, persönlichen Sensationen von schönen Funden. Die Erkenntnis macht reich, nicht die Anerkennung...der intime Augenblick eines Neufundes, der zum ersten Mal nach Jahrtausenden wieder in menschliche Hände gelangt und Alles atmet einen Augenblick Ewigkeit. Der Stein hält seine Informationen für immer gespeichert, auch wenn die Zeit ein zweites Mal in irgendeinem Magazin verloren geht...
211. Spitz, lateral zu retuschiertes Trümmerstück

Die Spitze weist eine Art "Stichelschlag" auf. oder war es der Pflug?


Eine Kante weist Gebrauchsretuschen auf.
oben der "gestumpfte Rücken", unten die Ventralseite der "Scherbe"
Die "Dorsalseite"- eine natürliche Kluft, teilweise in die Fläche retuschiert.


211. Post. spitz zu retuschiertes Trümmerstück, oder Frostscherbe...
also noch eine "Spitze", diesmal aus Wippingen 005, Langes Mahd. In einem einschlägigen Internet-Forum wurde das für mich unzweifelhafte Artefakt als Frostscherbe oder bestenfalls als Trümmerstück klassifiziert und die Zurichtung als zufällige, rezente Beschädigung durch ein Ackergerät erkannt. Das sehe ich aus mehreren Gründen anders. Der intentionelle Charakter erschließt sich einmal daraus, dass die Retusche eindeutig zielführend angelegt ist. Sie ist formgebend angelegt. Eine Lateralkante zeigt Gebrauchsretuschen und scheint als Schneide gedient zu haben, der "Rücken" dieses "Messers" wurde durch Retusche abgestumpft und zwar bifazial, wie an (mittel)paläolithischen bzw. jungneolithischen Geräten. Hier könnte das Artefakt auch in Holz geschäftet gewesen sein. Im Spitzenbereich ist eine Art "Stichelschlag"erkennbar, der vielleicht zur Nachschärfung der Spitze gedient haben könnte. Bei der Grundform lässt sich aber wohl der intentionelle Charakter nicht erkennen, die Dorsalseite wird von einer Kluft gebildet. Wenn es ein Abschlaggerät ist, müsste der Schlagpunkt gegenüber der "Schneide" gelegen haben und ist durch Retuschen überarbeitet. Ein Erntemesser?

I am very glad to welcome the page viewers from the United Kingdom, the United Arabian Emirate and Baleares! have a good time here! Welcome! ahlan wa sahlen!

Montag, 14. März 2011











210.Post. Spitzen, wo es "keine gibt..."?
Im Neolithikum ist das lithische Inventar der Siedlungen und Bestattungsplätze, aber auch auf den Schlagplätzen und Abbauplätzen der Hornsteine auf wenige Artefakte der Grundproduktion, sowie wenige Arefakttypen fest gelegt. Längst sind sich auch Facharchäologen darüber einig, dass diese ausgewiesenen Typen, wie sie auch in der Einführung in die Artefaktmorphologie von J.Hahn beschrieben sind, die Bandbreite der Artefakte nicht erschöpfend zu erfassen vermögen. Um sie differenzierter an zu sprechen ist eine gewisse Geschicklichkeit vonnöten, wie es für das neu vor zu stellende Artefakt von Wippingen, Herrenäcker besonders gilt.

Außer "Pfeilspitzen" und vielleicht noch "Bohrern" gibt es nach Hahn's Artefaktmorphologie im Neolithikum keine in Typen fest gelegten Artefakte, die man als Spitzen ansprechen kann. Spitzen kommen in paläolithischen Inventaren vor.

Dennoch haben wir es mit einer Art Spitze zu tun, die man seriöser Weise übereinstimmend als modifizierten Abschlag ansprechen muss. Er trägt beidseitig Lateralretuschen, rechtslateral sind sie bifazial angelegt, die Retuschen sind alternierend angebracht,
und linkslateral sind die Retuschen nach dorsal geschlagen. Vermutlich brach am Distalende eine Retusche mehr aus als geplant und das Stück wurde verworfen (?)
In Frage kommt eine Vorarbeit zu einer Pfeilspitze oder ein sehr kurzer Dolch. Vielleicht ist auch der größere Ausbruch am Distalende Absicht gewesen um eine Schäftung zu ermöglichen. Die "Spitze", das Proximalende, trägt noch den Schlagflächenrest, weshalb ein Halbfabrikat wahrscheinlich ist. Das Artefakt besteht aus dem typischen Borgerhau- Hornstein und wurde auch in unmittelbarer Nähe zu diesem Wald gefunden.

Edit: ( Febr.2014) In "Steinartefakte", Hrsg.Harald Floss. Birgit Gehlen nimmt bei den Silexgeräten der LBK, des frühen Mittelneolithikums und der Rössener Kultur die Morphologie von Spitzen auf. Außer Lutz Fiedler scheint sie aber bisher niemand näher beschrieben zu haben. Zu einer eigenen Morphologie ist es immer noch nicht möglich genauere Angaben zu machen. 

nachdem es jetzt auch zahlreiche Zugriffe aus den Niederlanden gibt:
Nach den Niederlanden: welcom Nederlandse!