Montag, 15. Dezember 2014

531.Post. Differenzierung von Fundstellen


Ideale Verhältnisse begünstigen die Bergungen nur selten. Meist Sind  Begehungen der Felder eine sehr schmutzige Angelegenheit. 

Der Idealfall: Das Feld ist bestellt, die Oberflächen haben eine fein krümelige Struktur, sind ausreichend ab geregnet und das Feld ist noch nicht ein gesät. Der Himmel ist bedeckt, so dass keine Schlagschatten entstehen, die Oberflächen trocken. 

Der Normalfall: Es ist frisch gepflügt, Pionierpflanzen oder Strohhäcksel erschweren auf der Brache die Sicht, der Boden ist sumpfig nass oder trocken staubig. Es regnet, oder tiefstehende Sonne wirft Schlagschatten und blendet die Sicht. Nach der Aussaat verbieten sich Begehungen von selbst und so sind Die Zeitfenster für Idealbedingungen meist kurz oder bleiben das Jahr über aus. Die hier oft vorgestellten Fotos in Fundlage, bei denen Artefakte schon in der Fläche sicher angesprochen werden können, sind eher die Ausnahme und gelten normalerweise am ehesten noch für großformatige Stücke. Modifikationen sind oft erst auf den zweiten Blick erkennbar. So verschwindet Alles erst einmal in sorgfältig beschrifteten Tüten, die auf die Begehung freien Zeiten warten müssen. Beschriftungen, Laufzettel und Geodaten (Koordinaten nach Gauss-Krüger) sichern langfristig die sichere Zuweisung zum richtigen Fundort. 

Spätestens mit der ersten, permanenten Schneedecke oder dem vollständigen Bewuchs im Frühsommer, endet der Einsatz im Gelände und die Reinigung der Funde setzt ein und damit meist weitergehende Erkenntnisse, die im bisherig schmutzigen Zustand der Hornsteinartefakte noch nicht möglich waren. Auch die aufgehende Wintersaat beendet die Saison. Dies ist im Moment der Fall. Vieles wird erst nach der Reinigung erkannt, besonders wenn die Fundstücke noch teilweise von Erde bedeckt sind. 

Oft vergehen Jahre, bis eine Fundstelle erkannt ist, deshalb werden die  günstigen Oberflächenverhältnisse im Umfeld der Ascher Pingen auf jedem Feld genutzt.  Ungünstige Verhältnisse können sehr anhaltend dafür sorgen, dass eigentlich dichte Fundstreuungen gegen das Erkennen sehr resistent bleiben können. Die drei im letzten Frühsommer erkannten Fundstellen lagen in Maisfeldern, wobei Oberflächen hier langfristig von den Niederschlägen profitierten und gut abgeregnet erschienen. Chemische Behandlung sorgte darüber hinaus dafür, dass sich keine unerwünschten Pionierpflanzen einstellten und somit quasi lange freie Sicht herrschte. Die Fundfrequenz auf diesen neuen Fundstellen zeigte Sich erstaunlich hoch (obwohl sie schon mehrfach vergeblich vorher begangen wurden) und diesen Herbst / Winter ist wieder der Umstand eingetreten, dass die Oberflächen "fundfrei" erscheinen. Feldbegehungen, können deshalb nur zielführend sein, wenn die Felder trotz negativem Befund immer wieder neu begangen werden. An anderer Stelle wurde hier schon mehrfach aus geführt, dass der Ackerboden teilweise große Anteile von Verwitterungs- und Lößlehm aufweist und nur eine starke Durchfeuchtung mit anschließenden Niederschlägen Artefakte frei wäscht. Im trockenen Sommern verbacken die groben Erdklumpen zu einer Art Lehmziegel, die von durchschnittlichen Niederschlägen nur schwer wieder aufgelöst werden und der Boden so die Geheimnisse bewahrt. 

Über Längere Zeiträume abgesammelte Flächen lassen irgendwann zu, Aussagen über die Art der Fundstelle zu treffen. Dazu können die Anzahl bestimmter Artefakttypen, oder morphologische Einzelheiten wie die Schlagtechnik oder die Wahl des Rohmaterials...usw. Hinweise geben. Bestimmte Aktivitäs- oder Siedlungszonen zeigen auch entsprechendes Inventar. Im günstigsten Falle lassen sich anhand von Typen oder eindeutiger Keramik Datierungsversuche vornehmen. Da oft Gunsträume über einen langen Zeitraum bevorzugt aufgesucht oder besiedelt waren, sorgt dieser Umstand aber andererseits wieder für Einschränkungen, weil verschiedene Zeithorizonte auf den Oberflächen vermischt erscheinen können. Mit grundsätzlichen Überlegungen, anhand der Morphologie und vergleichenden Betrachtungen nähert man sich so sukzessive über die Jahre hin zu manchmal erstaunlich sicheren Erkenntnissen, ohne je einen Spaten ein gesetzt zu haben. Geduld bringt Rosen.  


Oben: Fundstücke eines zentralen Schlagplatzes, dessen genaue Bedeutung sich erst langsam erschließt. Er steht wohl im Kontext eines über einen längeren Zeitraum belegten Siedlungsplatzes, dessen dicht streuendes, lithisches und keramisches Inventar nur vielleicht 50 Meter weiter reichlich auf der Oberfläche streut und sich deshalb als ausgewiesene Siedlung von diesem Platz unterscheidet. Die Grobzerlegung mittels harten, direkten Schlages lässt im ersten Moment den Platz als Lagerstätte erscheinen, da die Anzahl der Kerne, der angetesteten und großformatig verworfenen Stücke überwiegt. Außerdem erscheint völlig unangetastetes Material. Modifizierte Grundformen fehlen ebenso wie Werkzeuge, die Gebrauchsspuren aufweisen. Eine Lagerstätte und die damit verbundenen Entnahmegruben wie sie im nahen Borgerhau nachgewiesen wurden, konnten durch eine archäologische Sondage hier nicht erfasst werden. Wenn das Kolluvium, in das die Artefakte vielleicht eingebettet waren nicht an einer Verlagerung die Schuld trägt, handelt es sich hier vielleicht um eine Art Zwischenlager/Schlagplatz, auf das der (im Borgerhau?) abgebaute Rohstoff gelangte und von da aus die geeigneten Grundformen und das geeignete Material weiter in die nahe gelegene Siedlung? Die so nur hypothetischen Zusammenhänge könnten durch entsprechende Analysen vielleicht erschlossen und überprüft werden. Stimmte das, müsste es langfristig theoretisch möglich sein, Anpassungen von Artefakten des vermeintlichen Schlagplatzes und der damit verbundenen Siedlung vor zu nehmen. Sisyphos, ein griechischer Steineschlepper, lässt derweilen grüßen.


Mittwoch, 10. Dezember 2014

530.Post. Hitzeauswirkungen am Hornstein

Spricht man von Hornsteinvarietäten, ist damit synonym oft auch eine farblich unterschiedliche Erscheinung gemeint. Den farblichen Unterschieden von Hornstein können jedoch die unterschiedlichsten Ursachen zugrunde liegen. Für sichere Ansprachen sind deshalb weitergehende Analysen notwendig.

Die erste "Farbgebung" erfolgte schon während der Sedimentation, der Ablagerung von Sedimenten auf dem Meeresgrund.  Die "Pigmentierung" ist also ein Ergebnis des Entstehungsprozesses.
Hornsteinvarietäten von einer Siedlung bei Wippingen.

Großes Farbspektrum, doch  ist die "Farbe" auch  ein Indikator für die Provenienz?
Allein die sekundäre Lagerstätte des Borgerhau zeigt ein großes Variantenreichtum.
Bis vor Kurzem galt die sichere Zuweisung zu einer bestimmten Lagerstätte
bei Hornstein noch als völlig unmöglich. Neue Methoden entschlüssen derzeit den "Geheimcode"
Die meisten Hornsteine der Siedlungen der Blaubeurer Alb kommen jedoch aus sekundären Lagerstätten. Sie sind aus dem Muttergestein gelöst und wurden durch geologische Prozesse im Verlaufe der Jahrtausende verlagert. Herausgelöster (und verlagerter) Hornstein war für die Menschen der Steinzeit leichter zu erschließen, als der aus primären Lagern. Teilweise dürfte er an die Oberflächen gelangt und dürfte somit oft auch leichter gefunden worden sein. Mächtige Lagerstätten wie die im Borgerhau erfuhren schon früh eine systematische Ausbeutung. 
Auch während der sekundären Lagerung sorgten chemische Prozesse für farbliche Veränderungen, wobei Metalle wie Eisen oder Mangan z.B. eine Rolle spielen, aber auch natürliche Säuren. Mittig-oben, ein eher selten anzutreffendes Grün. Darüberhinaus sind auch die zerlegten Hornsteine bis heute anhaltenden Verwitterungsprozessen aus gesetzt.
...ein "Traum in rosarot" - Jurahornstein von einer Siedlung bei Wippingen. Die wohl durch Eisenoxide gefärbten Zonen liegen im Zentrum der Knollen. 

Zwei mögliche (primäre)  Lagertstätten wurden bislang sicher ausgemacht. (Provenienz)  Die Flur "Halde" in Sonderbuch und "Geflinse" in Asch (Bollow 2013) An solchen Primärlagerstätten witterte der Hornstein auch aus, erfuhr aber nicht unbedingt eine größere Verlagerung, etwa im Geschiebe eines Gletschers oder durch einen Flusslauf. So ist das zwar eine Residuallagerstätte, da der Hornstein aus den Kalken gelöst ist, jedoch gewissermaßen eine primäre, da er weitestgehend
an Ort und Stelle verblieb. 


Rotfärbung und/ oder Glanz an intentionell zerlegtem Hornstein einer Siedlung bei Wippingen. Die dunkelbraun gefärbten Grate des Artefaktes im Vordergrund und oben sind "Rostspuren", die zusätzlich durch den Kontakt mit landwirtschaftlichen Eisengeräten entstanden sind. 
Besonders die Rotfärbungen des Hornsteins können auch durch Hitzeeinwirkung entstehen, unterscheiden sich aber von natürlichen Prozessen während der Sedimentation. Je nach Höhe der Temperatur und Dauer der Hitzeeinwirkung ändert sich die Farbe und wird im allgemeinen dunkler. Das Farbspektrum kann dabei höchst unterschiedlich ausfallen, was einmal von der Gesteinsart abhängt, aber vor allem von den Verunreinigungen durch Metallmineralien. Auch hier wechselt das ursprünglich helle Gestein nach rosa bis rot und violett und kann je nach Intensität und Dauer der Hitze auch nur die äußeren Schichten des Materials betreffen. 
Diese Veränderungen können auch artifiziell, gezielt absichtlich erfolgen (Tempern). Entgegen der leicht zu bearbeitenden Rohmaterialien wie etwa Kreidefeuerstein, gilt der Jurahornstein als teilweise besonders zäh. Es fehlt ihm die glasartige Sprödigkeit im Vergleich zu leicht zu bearbeitenden Materialien wie etwa Obsidian, baltischem Flint, Vertretern aus der Kreide oder etwa dem Plattenhornstein. Während glasige Silexarten durch Hitzebehandlung rissig und unbrauchbar werden, lässt sich der Hornstein durch gezielte Hitzebehandlung leichter spalten. Diese Erkenntnis führte im Verlaufe der Geschichte dazu, die Hitzebehandlung gezielt durch zu führen, ist jedoch nicht leicht von unabsichtlichen Hitzeeinwirkungen zu trennen. 
Keine expliziten Farbveränderungen, aber seidiger (Fett-) Glanz auf den Spaltflächen von einem intentionell zerlegten Hornstein einer Siedlung bei Wippingen. 
Abtrennung nach der Hitzeeinwirkung, wohl durch eine Landmaschine: auf der Spaltfläche erscheint Glanz (franz. lustre) 
Glanz ist eines der zusätzlichen, schon optisch erkennbaren Merkmale von Hitzeeinwirkung. ( siehe Jürgen Weiner in: Steinartefakte, Kerns Verlage, Hrsg. Harald Floss, 2013) als Ergebnis der Veränderung der Mikrostruktur, der grundsätzlich auf danach entstandenen Negativen auftritt, unabhängig davon, ob sie artifiziell oder natürlich bzw. durch rezente Eingriffe entstanden. Die Bruchfestigkeit des Materials scheint sich durch das gezielte Tempern zu erhöhen. Über die Hypothesen zur Veränderung der Reaktion des Gesteins auf Hitze wird in der Fachwelt noch anhaltend diskutiert, ebenso darüber, ob die Hitzebehandlung auch teilweise der gezielten Farbveränderung diente, da sie wohl auch an Gesteinen vorkommt, bei denen aufgrund ihrer guten Schlageigenschaften eine solche nicht notwendig gewesen wäre.
Das gezielte Tempern von Rohmaterial ist an verschiedenen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten nach gewiesen worden. Die frühesten Hinweise scheinen aus dem Solutreen zu kommen. Weite Verbreitung erfuhr das Tempern bei uns im südwestdeutschen Mesolithikum und es ist eine übereinstimmende Auffassung zu erkennen, dass sich dies weitgehend auf den frühesten Abschnitt des Mesolithikums beschränkt. Nach Hahn und Kind (1991) ist es schlicht das Merkmal des württembergischen Frühmesolithikums (Beuronien, z.B. Jägerhaushöhle, wo das Inventar im Beuronien A zu  etwa 80%  getempert erscheint, im jüngeren Beuronien B aber nur noch 20%)

Auf der Blaubeurer Alb wurden immer wieder getemperte Kerne gefunden, doch wohl jeweils in neolithischem Siedlungskontext. Ein Grund dafür dürfte sein, dass aufgrund der hohen Fundkonzentrationen bevorzugt und fast ausschließlich auf diesen Flächen prospektiert wurde. Mittelsteinzeitliche Spuren der letzten Jäger und Sammler mit einem diagnostisch sicheren Technokomplex sind sehr wahrscheinlich eine Frage der Zeit und der systematischen Suche danach. Teilweise dürften sie sich in den neolithischen Inventaren verstecken.

Literatur: Steinartefakte, Hrsg.Harald Floss Seite 10, Hitzebehandlung  (Tempern) von Jürgen Weiner. /

siehe auch, Neu:
Bertsch (Diss. siehe link)
http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:21-dspace-510158


Rosaroter Hornstein, Asch, Geflinse, primäre Lagerstätte.




Sonntag, 7. Dezember 2014

529. Post. Und bist du nicht willig, ...

Kerne und ihre Zielabschäge:

Am Anfang steht das Rohstück, aus geeignetem Gestein, von dem mindestens eine Abtrennung in Form eines Abschlages vorgenommen wurde, um von einem Kern zu sprechen. Das durch ein oder mehrere Abschläge präparierte Rohstück liefert die Grundformen zur Werkzeugherstellung. Meist sind Kerne planmäßig an gelegt und weisen mindestens eine Schlagfläche auf, jene Fläche auf die ein Schlagstein oder ein Schlägel trifft, oder aber ein Punch (ein Zwischenstück) aufgesetzt wird um von hier aus Abtrennungen vor zu nehmen. Man unterscheidet Abschlagkerne, bei denen keinerlei Fläche für einen regelhaften Abbau präpariert wird von Klingenkernen, bei denen stets eine Schlagfläche und ein Leitgrat angelegt wurden, um kontrolliert regelhafte Serien abschlagen zu können. Dabei kann der Kern selbst durch Retuschierung zu einem gezielt hergestellten Kerngerät werden (Faustkeile z.B.) oder im Sekundäreinsatz wurde besipielsweise im Jungpaläolithikum der Klingenkern als "Kielkratzer" genutzt. 

Nicht nur im Neolithikum ist die Artefaktmorphologie, die theoretische Grundlage für die Beschreibung von Artefakten nicht immer ausreichend. 
Manche Kerne entziehen sich der "einfachen" Morphoplogie und die Vorgehensweisen erscheinen nicht schlüssig.  
Da die neolithischen Bauern um Asch, Wippingen und Sonderbuch nun wirklich sehr gut mit Rohmaterial versorgt waren, fragt man sich bei diesem hier vorgestellten Kern, welch zähe Einsatzfreude hier am Werke war, bzw. was den Steinschläger geritten hat, den Kern so hartnäckig bezwingen zu wollen, weil er scheinbar trotz sturem Widersetzen der Materie nicht aufgegeben hat, dem Kern Abschläge ab zu ringen. Man fragt sich, welche Sekundärprodukte aus diesem Kern das Ziel und wozu sie nutzbar waren. 


Unilateral, wenig zielführende Abbauversuche?

Schlagfläche 1, natürliche Kluftfläche.
Wenn es nicht Frust war oder die Lust an der reinen Dengelei, müssen kleinste Abschläge einer sinnvollen Verwendung zugeführt worden sein. Demnach wären kleinere Abschläge als Zielprodukte und Retuschierabfälle (Produktionsausschuss, Debitage) anhand ihrer Dimension nicht zu unterscheiden. 
Alle Abschläge sind an diesem Stück stecken geblieben, und dennoch hat der Steinschläger nicht auf gegeben. 
Bildvordergrund: Ein nach einer ersten steckengebliebenen
 Abtrennung aufgegebener
 Klingenkern von ein und derselben Fundstelle.

Sonntag, 16. November 2014

528. Post. Andere Länder, andere Sitten, z.B. Sachsen Anhalt:

Andere Länder, andere Sitten, z.B. Sachsen Anhalt und das Denkmalpflegerische Ehrenamt:

Auszug aus der offiziellen Internetseite des dortigen Landesdenkmalamts: Betreff: 

Ehrenamtliche Mitarbeiter

Viele Bürger in unserem Land haben großes Interesse an der Geschichte ihrer Heimat. Für die ältesten Abschnitte der Kulturgeschichte Sachsen-Anhalts gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen. Daher müssen die fehlenden Kapitel des Geschichtsbuches aufgrund archäologischer Nachweise geschrieben werden.
Für zahlreiche Menschen übt diese bisweilen kriminalistische Tätigkeit eine Faszination aus, und gerne würden sie bei der archäologischen Arbeit helfen. Aus diesem Grunde sieht das Denkmalschutzgesetz unseres Landes [§ 6 (2)] vor, dass interessierte Bürgerinnen und Bürger in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt (LDA) und den Denkmalschutzbehörden als ehrenamtliche Beauftragte für archäologische Denkmalpflege (= Bodendenkmalpfleger) tätig werden können. Ferner wird in speziellen Arbeitskreisen zusammengearbeitet.
Interessenten richten einen schriftlichen Antrag an das LDA. Nach einer Einarbeitungszeit wird ein Ausweis erstellt, der dem ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger zur Legimitation für seine Arbeit dient. In regelmäßigen Abständen bietet das LDA Schulungsveranstaltungen für die ehrenamtlichen Mitarbeiter an (...) Diejenigen ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger, die ihren Aufgabenschwerpunkt auf die Geländetätigkeit legen, erhalten durch das LDA die notwendige Grundausrüstung. Für die während der ehrenamtlichen Tätigkeit anfallenden Kosten zahlt das Land Sachsen-Anhalt eine Aufwandsentschädigung.
Anfragen und die Bitte um weitere Informationen richten Sie bitte an:
Dr. Veit Dresely
Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie
- Landesmuseum für Vorgeschichte -
Richard-Wagner-Str. 9
06114 Halle (Saale)
Tel.  0345/5247-386
(Aus der offiziellen Internetseite der Denkmalpflege des Landes Sachsen-Anhalt) Auch in Hessen und Bayern gibt es ähnlich fortschrittliche Systeme, die das Engagement der Bürger in die Aufgaben der Denkmalpflege ein beziehen und Hürden abbauen.) 
............
Siehe auch:  http://www.terraplana.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=54&Itemid=81

 In Baden Württemberg sieht die Situation etwas anders aus. Hinterfragt man die tatsächlichen Verhältnisse, relativiert sich allerdings auch in anderen Bundesländern das einfach dargestellte Prozedere. Neben den finanziellen Ausstattungen dürften es auch persönliche Gründe sein, die die Hürden festlegen.

Dazu ein aktuelles Beispiel aus Baden Württemberg.
Im aktuellen Nachrichtenblatt der Denkmalpflege in Baden Württemberg ( 4/2014) ruft im Editorial der Abteilungspräsident Prof. Claus Wolf Folgendes aus: (Zit.:)
"...in diesem Editorial wende ich mich ganz bewusst mit einer Bitte an Sie. Bringen Sie sich ein in die Belange der Denkmalpflege in Ihrer Region!...Gerade die Archäologie bietet hierfür sehr gute Voraussetzungen. So gibt es bislang bereits über 200 ehrenamtlich Beauftragte, die über das ganze Land verteilt sind und unsere professionellen Gebietsreferenten unterstützen. Dies kann durch ganz verschiedene Aktivitäten erfolgen: von der Beobachtung archäologischer Verdachtsflächen, der Überprüfung bekannter archäologischer Denkmale und der Überwachung von Baumaßnahmen vor Ort bis hin zur Teilnahme an archäologischen Ausgrabungen und der damit verbundenen Bergung archäologischer Funde und Befunde...Insgesamt gesehen werden die Chancen und Möglichkeiten, die das Ehrenamt in der Denkmalpflege bietet, bisher aber noch nicht ausreichend wahrgenommen. Einen Schritt in die richtige Richtung machten vor Kurzem die bayrischen Kollegen vom dortigen Landesamt für Denkmalpflege, indem sie die Betreuung der Ehrenamtlichen vor Ort in ihre Organisationsstruktur institutionalisierten. Diesen Schritt hat die Landesdenkmalpflege auf gegriffen und geht noch darüber hinaus. In unserer neuen Struktur, die ab dem neuen Jahr greifen wird, werden wir erstmals ein eigenes Referat haben, das sich ausschließlich mit der Denkmalvermittlung befassen wird..."

Anmerkung: 
Es wäre hilfreich gewesen, in diesem Editorial den interessierten Laien, ähnlich wie das Denkmalbehörden in anderen Bundesländern veröffentlichen, den Weg in die ehrenamtliche Arbeit zu erläutern und ähnlich dem Land Sachsen für diesen Weg einen Ansprechpartner oder eine Adresse zu benennen. Für Baden Württemberg ist hier nicht leicht ein Weg ersichtlich und man wendet sich an das für den Bezirk zuständige Referat. Um in das Sondenprogramm von Baden Württemberg zu kommen ist das Prozedere relativ einfach. Es genügt eine Sonde ( auf eigene Kosten) zu besitzen und sich über die offiziellen Seiten des LDA zu bewerben. Archäologische Vorkenntnisse sind dafür nicht notwendig. Dass hier Ressourcen brach liegen, scheint jetzt eine Erkenntnis zu sein, der auch Rechnung getragen werden soll. Das lässt hoffen. Ein pauschaler Aufruf zur Mitarbeit macht nur dann Sinn, wenn sich der Weg dahin auch erschließt. Es scheint sich eine Gewichtung zugunsten der Nachfrage im Bereich "Sondengehen" zu bilden. Die 'Denkmalpflege braucht aber aus meiner Sicht weniger Sammler und Entdecker, sondern Mitarbeiter, die in erster Linie den Denkmalschutzgedanken weiter tragen und als Multiplikatoren wirken. Das Referat zur Denkmalvermittlung wird hier vielleicht dringend notwendige Änderungen bringen und es muss in erster Linie auch darum gehen eine Stamm von ehrenamtlich Tätigen deutlich zu verjüngen.
siehe auch:
http://www.dguf.de/index.php?id=348

Nachtrag, Januar 2015:
Zur aktuellen Statistik des Blogs:
Obwohl mein Blog einen eindeutigen Schwerpunkt im Bereich Steinartefakte aufweist, ist eine Zunahme bei den Aufrufen im Bereich Metallfunde zu erkennen. Die russische Föderation und die Ukraine mit 1856 bzw. 1373 Zugriffen bis Ende letzten Jahres klicken sich ausschließlich in die Posts über die Bildsuchfunktion zum Thema Scheibenknöpfe (Gesamtanteil 800 Zugriffe) und Oberflächenmetallfunde ein. Der Post "Scheibenknöpfe" ist damit der meist gelesene Post überhaupt. Für den Beitrag "Sondengänger in Baden Württemberg" interessierten sich bis Ende 2014 insgesamt 132 Besucher, sowie 122 für den Post "Fundmünzen". Der am zweithäufigsten gelesene Post befasst sich mit der Suchbegriffkombination "Radiolarit und Mittelpaläolithikum."
  

Montag, 10. November 2014

527. Post. Typen machen den Unterschied...

Älter neolithischer Bohrer als Datierungshilfe für eine neue Siedlung.

Die Artefakttypen unterscheiden sich in den verschiedenen Zeithorizonten zumindest tendenziell, wenn nicht aufgrund ihres ausschließlichen Auftretens. Während auf den mittelneolitischen Siedlungen bei den Bohrern eher Kleinformen mit Schulter dominieren, kommen auf den älteren Siedlungen der LBK um Sonderbuch vor allem  langschmale Exemplare vor, zwangsläufig aus Klingengrundformen.

Linke Lateralkante mit der Ventralfläche oben
Neuer Beleg einer neu entdeckten Siedlung, die schon vor gestellt wurde: 

https://www.blogger.com/blogger.g?blogID=5486790017099944322#editor/target=post;postID=2119728863198074226;onPublishedMenu=posts;onClosedMenu=posts;postNum=11;src=postname


Nach zwei eindeutigen Pfeilspitzen und etwas Keramik der LBK, erschien nach dem Pflügen nun auch ein sehr passender Bohrer, der in den selben Zeithorizont weist. Die neuen Siedlungen beim Blauberg geben sich zu erkennen...
Linke Laterale mit der Dorsalfläche. Alle Retuschen gehen nach dorsal

Dorsalfläche mit den Klingennegativen der voran gegangenen Ablösungen

Ventralfläche mit deutlicher Schlagmarke,  ohne Bulbus

Rechte Lateralkante
Polituren, die Hinweise auf eine Schäftung geben, sind nicht zu erkennen. Die unregelmäßigen Retuschen sind durch Gebrauch entstanden und die ursprüngliche Zurichtung (Formgebungsretuschen) somit nicht mehr vorhanden. So ein Bohrer schärft sich gewissermaßen durch den Gebrauch selbst nach, indem kleine Ausbrüche immer wieder eine scharfe Kante erzeugen. Die kinetische Energie (Druck durch Drehung) muss dabei gezielt von ventral nach dorsal ein gewirkt haben, da keinerlei Ausbrüche nach ventral entstanden sind.

Welcome visitors from Malaysia. 

Donnerstag, 30. Oktober 2014

526. Post. Das "archäologische Jahr" in Sonderbuch 2014

Wie jedes Jahr versuche ich eine kleine Zusammenfassung der Erkenntnisse eines Jahres zu verdichten und zu resümieren...

denn in ungezählten Stunden der Geländebegehung gibt es, wie nur der regelmäßige Leser weiß, Neuigkeiten, die das Dunkel der frühen Besiedelungsentwicklung weiter erhellen. Sollen private Sammlungen jedoch in wissenschaftliche Auswertungen einfließen, braucht es aber zwangsläufig bedeutende und einmalige Funde. Nur sie wecken das Interesse der chronisch unterversorgten Landesarchäologie.  

Verschwindend sind so die Neufunde z.B. gegen die spektakuläre Museumseröffnung des Urmu in Blaubeuren, über den auch UMGEPFLÜGT berichtet. Es ist die große, bedeutende Anlaufstelle im Raum, der die Interessenten der Urgeschichte anzieht und in Zukunft anziehen wird. Es ist der Ort, an dem sich Wissenschaft und interessierte Laien begegnen können und wo die ersten Kunstwerke der Menschheit im Original Wissenschaftler und Laien gleichermaßen anziehen und anziehen werden und wo es Originale an dem Ort zu bestaunen gibt, wo sie einst niedergelegt wurden und sich bis heute erhalten haben, Archäologisches Erbe als Sachquelle zur Natur- und Kulturgeschichte der Menschheit im Kontext der Denkmale als Orte der Erinnerung, die Höhlen mit ihren naturräumlichen und topographischen Eigenarten, Artefakte im Kontext des Bodendenkmals, eines Bodendenkmalensembles und eines größeren Denkmalbereichs, eine Einheit mit der Bodendenkmallandschaft, die auf dem Wege ist, Anerkennung als Weltkulturerbestätte zu erfahren. 

Verschwindend also fast, was quasi "darum herum geschah und vor allem danach". Ausgehend vom mittleren Paläolithikum hat sich hier der Mensch aufgehalten, gelebt, gesiedelt und Vieles hält der Ackerboden noch verborgen.

Auf der Suche nach dem Mittelpaläolithikum bis hin zum Mesolithikum fanden sich weitere, neue Anhaltspunkte im Kontext der neolithischen Siedlungen, ohne jedoch zentrale Fundstellen zu Erkennen zu geben, die weiterhin fehlen. An zahlreichen Fundstellen weist der Oberboden eine nur geringe Mächtigkeit auf, weshalb sich der Pflughorizont ebenso "gering tiefgründig" zeigt. Der Landwirt hat kein gesteigertes Interesse, auf die nur in geringer Tiefe liegenden Kalksteine des Juramassenkalks zu stoßen. In Börslingen erwies sich dies geradezu als Glücksfall und dort haben sich im Umfeld der Lonetalhöhlen Hornstein-Abbaustellen in nur geringer Tiefe von kaum 30cm unversehrt und unangetastet erhalten können. Die dünne Humusschicht sorgte dafür, dass an dieser Stelle bis in die Neuzeit hinein nur eine Beweidung durch Schafe, und erst mit dem Aufkommen der künstlichen Stickstoffdüngung eine intensive Bewirtschaftung möglich war.

Professor Harald Floss hat, nach den Professoren Müller-Beck und Conard im Fundmaterial der Sonderbucher Absammlungen mittelpaläolithische Artefakte (Werkzeuge des Neandertalers) identifiziert. Eine angekündigte Konsultation meiner Sammlung durch Professor Harald Floss hat zu meiner ganz besonderen Freude Ende November statt gefunden. Die Oberflächenfunde des Paläolithikums scheinen spätestens seit den Funden in Börslingen in den engeren Fokus der Wissenschaft gerückt zu sein. So scheint zumindest was das Mittelpaläolithikum angeht, das Interesse der Universität Tübingen und forschenden Archäologen größer zu sein als das der Landesarchäologen und ihren Behörden. Für neue Funde und Fundstellen finden Sammler oft eher die richtigen Worte als das richtige Ohr. 

Ähnliches gilt vielleicht für zwei neue Fundstellen auf Sonderbucher Markung, die zu vergleichsweise später Zeit unter den Pflug genommen wurden. Bis in die Neuzeit hinein befand sich hier Wald. Die neuen Siedlungsstellen liegen in Nähe der Hornstein-Lagerstätte am Blauberg und es zeichnet sich ab, dass um diese Lagerstätte sich ebenfalls - wie beim Borgerhau - Siedlungen gebildet haben. Dabei waren die Lagerstätten sicher  e i n  Gunstfaktor für die Wahl von Siedlungsflächen, der wird aber wohl neben der Eignung für die landwirtschaftliche Nutzung der Flächen und zugunsten von Wasserversorgung zurückstehen. Wieder sehr auffällig ist, dass sich die Siedlungsstellen um natürliche Erdfälle gruppieren, wie auch an anderen Stellen auf den Gemarkungen Asch, Sonderbuch und Wippingen. Viehhaltung war sicher ohne Wasserstellen nicht möglich und es bleibt für mich die spannende Frage offen, ob diese Dolinen/ Erdfälle als natürliche Wasserspeicher eine Bedeutung gehabt haben könnten. Eine unweit davon, unterhalb gelegenes Flurstück heißt heute noch aus nach vollziehbaren Gründen "Teich" und dürfte - inzwischen "trocken gefallen" - die höher liegenden Flurstücke wohl heute noch entwässern. Über Brunnen und Wasserversorgung gibt es vergleichsweise wenig Forschung. Zu den Fundmeldungen gibt es noch keine Rückmeldungen von der zuständigen Denkmalbehörde. Auch die sicher in die Zeit des Neandertalers zu datierenden Werkzeuge wurden im Bereich eines noch bestehenden und mehrerer schon länger zugeschütteter Erdfälle gefunden. Ein Lagerplatz an alten Wasserstellen ist ein zu verlockender Gedanke und wäre durch Grabung leicht zu überprüfen.

Eine kleine, neu erkannte Lagerstätte zwischen dem Borgerhau und den Sonderbucher Siedlungen zeigt, dass neben den ergiebigen Pingen im heutigen Borgerhau auch kleinere Vorkommen aus gebeutet wurden und vielleicht auch das Auflesen von Hornsteinen in den Feldern der Neolithiker eine gewisse, untergeordnete Rolle gespielt haben könnte. Überhaupt wird durch Einzelfunde zwischen den zentralen Fundpunkten (Siedlungen) deutlich, dass es wichtig ist auch auf diese vermeintlich leeren Zwischenräume ein Augenmerk zu richten. Absammlungen spiegeln sehr subjektive Vorgehensweisen wider. und es ist nicht verwunderlich, dass von Orten die am intensivsten begangen werden auch die meisten Funde vorliegen. Die meisten Sammler beschränken sich bei den Absammlungen auf die Siedlungen, die Bereiche von Häusern, wo die meisten Funde zu erwarten sind. Die Peripherie und Aktivitätszonen, die sich darum herum entwickelten werden dabei oft zu Unrecht vernachlässigt. Ernsthafte Feldforschung aber kann sich unmöglich nur auf schon bekannte Siedlungsstellen und dort auf möglichst attraktive Fundbelege fokussieren.
In der Nähe von Ascher Siedlungen fand sich diesen Frühsommer ein großes Fragment einer Axt auf einer Stelle, die sonst (noch) keine weiteren Anhaltspunkt für einen längeren Aufenthalt der neolithischen Bauern zeigte. Ein Fundbeleg für die vorangestellte Ausführung.

Eine weitere, neue Fundstelle, dem ersten Anschein nach frühneolithisch, gab sich auf Wippinger Markung Nordöstlich des Ortes zwischen dem Lauter- und dem Blautal zu erkennen. Gegen Ende des Bergsporns öffnet sich das Tal nach Ulm, der Donau hin, ein Ort, der auch in jüngerer Zeit territorialgeschichtlich/ strategisch immer wieder von Bedeutung war. So haben die Einwohner von Wippingen nicht nur im 30jährigen Krieg, sondern auch davor und danach wohl sehr gelitten. Die Oberamtsbeschreibung von 1830 berichtet, dass während der Belagerung von Ulm 1704 der Ort starke Einquartierungen hatte und vor der "Höchstädter Schlacht das ganze vereinigte Heer durchzog mit dem Prinz von Savoyen und dem Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg, die in Wippingen ihr Nachtquartier bezogen" (spanischer Erbfolgekrieg,
http://www.blindheim.de/schlacht1704/index.html / )
Heute versperrt die Bewaldung der Talhänge weitgehend die Sicht, aber ein freier Blick auf das Ulmer Münster ist von der neolithischen Siedlungsstelle aus gut möglich. Ein weiterer, guter Sichtkontakt muss zu der nahen Siedlung des Höfermahd bestanden haben, deren Existenz schon sehr viel länger bekannt ist und nach Aussagen eines Bauern schon in den 1950er Jahren von einem "Ulmer Lehrer" begangen worden sein soll. Die neue Siedlung erstreckt sich über mehrere Felder, kann jedoch nicht genau eruiert werden, da ein Besitzer eines Ackers die Prospektionen nicht duldet, was zu respektieren ist. Spornlagen, bei denen in diesem Falle zwei Nebenflüsse der Donau zustreben, waren immer wieder bevorzugte Lagen für Lagerplätze und Siedlungen. Auch von dieser Fundmeldung (Erstmeldung) gibt es bislang noch keine Rückmeldung von der zuständigen Denkmalbehörde.

Dies ist dann auch die Gelegenheit allen übrigen Landwirten der Blaubeurer Alb für die Duldung der Begehungen und das sehr gute Einvernehmen auch in diesem Jahr besonders zu danken. Die Bevölkerung zeigt sich wie die Landbesitzer interessiert und versöhnlich.  Lassen Sie es mich mit den Worten des Obersteuerrats von Memminger der Oberamtsbeschreibung von 1830 sagen: "Der Charakter (der Einwohner) ist im Allgemeinen, wie überhaupt bey den Alpenbewohnern, gutartig und friedfertig. Rechts- und andere Streitigkeiten, Verunglimpfungen, Schlägereien und dergleichen kommen selten vor, nur der vormals elchingische Ort Tomerdingen macht in dieser Beziehung eine unvorteilhafte Ausnahme..." Ich gehe davon aus, dass die Bewohner von Tomerdingen inzwischen vollständig rehabilitiert sind. Das Interesse an den Bodendenkmalen ist bei der ansässigen Bevölkerung ungebrochen groß und eine zweite Auflage einer Ausstellung wurde mehrfach angefragt, ist jedoch nicht vor gesehen. Das blog entstand als Fortsetzung der Ausstellung vom Jahre 2004 und soll auch so verstanden werden. Der zeitliche Aufwand, Einzelartefakte aus einem System aus zu scheren und hinterher wieder in das System zurück zu führen , wäre unverhältnismäßig aufwändig, zumal die neuerlich erfassten Geodaten (Einmessung in der Fläche)  in der Zuordnung verloren gehen könnten. Das wäre nur möglich, wenn die Artefakte schon eine endgültige Beschriftung erfahren hätten, was aber noch nicht der Fall ist. Entscheidend wird dafür sein, wo die Sammlung nach Abschluss ihren Platz finden wird. Zudem spiegelt das blog nahezu ausschließlich die lokale, hauptsächlich neolithische Geschichte der Blaubeurer Alb, die in keinem Museum zu finden ist.

Klopfkugel aus Kern, Kratzer und Schlagstein aus LBK-Zusammenhängen, Oktober 2014
Ein auffällig gesteigertes Interesse des blogs UMGEPFLÜGT zeigt sich durch zahlreiche Zugriffe im Bereich der Metallfunde und dem Thema "Sondengänger", der Suche nach Relikten der Geschichte mit Hilfe einer Metallsonde. Im blog wurden nie Sondenfunde, vor gestellt, sondern ausschließlich Lesefunde, die Ergebnisse der klassischen Prospektionsmethode, die ohne technische Hilfsmittel auskommt und keine Bodeneingriffe vornimmt. Aber auch die Wegnahme von Teilen von Denkmalen wie Steinartefakte oder Keramikscherben verlangt zwingend die Dokumentation und in jedem Falle auch die Fundmeldung. Systematische Suche setzt immer eine Genehmigung voraus. In das durch flyer beworbene Ehrenamt als Ehrenamtlich Beauftragter kommt man schwer bis gar nicht und vermutlich kommt die Überalterung der "Heimathirsche" daher , dass das Interesse von jungen Leuten in diesem Bereich nicht wahrgenommen oder ignoriert wird. In meinem Falle vergingen auch schon dreißig Jahre, ohne dieses Ziel zu erreichen. Wenn man den langen Atem nicht verliert, entspricht man irgendwann wirklich dem hohen Durchschnittsalter, den Ehrenamtliche meist aufweisen. Um überhaupt als Laie den Status eines ehrenamtlichen Mitarbeiters zu erlangen, hilft am ehesten der Kauf einer Sonde und die Absolvierung einer relativ kurzen Schulung und Sie sind dabei. Spezielle Vorkenntnisse ( etwa archäologische) sind dazu nicht notwendig.  Das Prozedere ist relativ einfach und jedermann über die offiziellen Internetseiten der Baden württembergischen Denkmalpflege zugänglich. Der Einsatz von Metallsonden beschränkt sich in Baden Württemberg derzeit auf überplante Flächen und ist mit Einzelgenehmigungen verbunden, die der legitimierte Sondengänger auch vorlegen kann. Sondengehen ohne Auftrag der Denkmalpflege ist auch weiterhin mit strengen Einschränkungen und Verboten verbunden. Öffentliche Diskussionen und neue Denkansätze lassen hier in Zukunft möglicherweise weitergehende Veränderungen erwarten, da Verbote alleine nicht aus zu reichen scheinen. Der Feldbegeher alter Schule empfindet den Einsatz der Metallsonde meist als "unsportlich" und der Fokus allein auf Metallfunde wird einer gründlichen Prospektion nicht ausreichend gerecht, zumal über Metalle nur ein Bruchteil von Denkmalen erkannt werden kann. Der Schaden, den ein Eingriff in intakte Befunde beispielsweise wegen der Bergung eines neuzeitlichen, unbedeutenden Projektils in den oben beschriebenen ungestörten Befunden einer urgeschichtlichen Stätte an zu richten vermag, ist offensichtlich und kontraproduktiv. Sicherlich sind nicht alle Flächen derart sensibel, doch nicht umsonst definiert der Gesetzgeber in Baden Württemberg auch Denkmale als solche, die noch nicht erkannt sind, setzt zu deren Auffindung und Suche Genehmigungen voraus und stellt sie präventiv unter Schutz. Melden Sie daher zufällige Funde der Ortsverwaltung, den Denkmal -Behörden oder einem ehrenamtlich Beauftragten der Denkmalpflege. In der Regel werden Fundstellen in die Denkmalliste ein getragen und genießen dann auch einen besonderen Schutz, über den es internationale Übereinkünfte gibt. Durch die neuerliche Einbeziehung von Sondengängern in der Baden Württembergischen Denkmlapflege werden alle Altersgruppen, erfreulicher weise aber auch Jüngere an gesprochen und ein bezogen, was über die Affinität zu einem technischen Gerät erfolgt und somit ein hoffentlich geeignetes Vehikel werden kann, prinzipiell Geschichtsinteressierte für die Belange der Denkmalpflege und der Archäologie zu sensibilisieren und sie so konstruktiv ein zu binden. Der persönliche, finanzielle und zeitliche Aufwand den die Hobbyisten hier jetzt schon investieren ist nicht unerheblich und da ich an diesen Prospektions- und Schulungsmaßnahmen seit einem Jahr teil nehme, ist es wie für viele andere auch, die einfachste Möglichkeit sich ehrenamtlich für die Sache Denkmalpflege im Rahmen eines landesweiten Programms ein zu setzen. Die Prospektionen ( Suche nach Metallgegenständen auf überplanten Flächen und Dokumentation derselben, heißt einmessen in der Fläche) erfolgen nach Einzelaufträgen. Nach Abschluss der Schulung (April 2015) werde ich dafür in unserem Raum - also meist auf Baustellen bzw. zukünftigen Baustellen im Auftrag des Referatsleiters in Tübingen ein gesetzt. Die Zusage hier wurde bereits ausgesprochen. Die Ergebnisse werden nicht in diesem Rahmen veröffentlicht. UMGEPFLÜGT zeigt weiterhin nur reine Lesefunde des Sammlers.

Zwar kann man konsequenter Weise, wie bei mir oft zu lesen und zu hören ist, alle archäologischen Relikte als Erbe der Menschheit ansprechen und es gibt Archäologen, die trotzdem längst nicht alles für erhaltenswert halten, weil nach ihrer Meinung nicht alles für immer erhalten werden kann und Selektionsmaßnahmen bis hin zur Vernichtung der stetig anwachsenden Menge an Bodendenkmälern und Fundstücken notwendig machen soll. Wer seine Geschichte verliert, verliert seine Identität. Das gilt für den Einzelnen ebenso wie für einen Ort, eine Region, als auch für ein ganzes Land. Bodendenkmäler sind Zeugnisse, Belege und fassbare Orte der Erinnerung an unsere Vorfahren, vor Ort, wichtig für das Selbstverständnis der heutigen Bewohner. Regionale, kleine Museen wie sie zahlreich in den letzten Jahren entstanden sind erscheinen deshalb sinnvoll, weil sie Identität zu stiften vermögen. Sie ermöglichen den direkten Zugang zur Geschichte und wecken Neugier, Interesse und Verständnis, machen Geschichte fassbar und anfassbar, bildet unsere Kinder sorgsam und verantwortungsvoll damit um zu gehen und die Verantwortung dereinst zu übernehmen und weiter zu tragen. Jakob Grimm wird der Satz zu geschrieben: "Wer seine Heimat liebt, muss sie auch verstehen wollen, und wer sie verstehen will, der muss überall in ihre Geschichte einzudringen versuchen"

Blaubeuren und seine Täler, die Höhlen, aber auch die Hochflächen der Alb bergen noch zahlreiche Fundstellen als beredte Zeugen unserer Geschichte, für die wir heute Verantwortung tragen. Verantwortung heißt, sie zu schützen, wo es notwendig ist auch zu bergen, und sie zu vermitteln. Verantwortung heißt, sie unseren Kindern zu übergeben. Die, wie sie gern genannt werden möchte "Hauptstadt der Urgeschichte" hat für den Zeitraum des Paläolithikums, der Frühzeit menschlichen Kulturschaffens, diese Verantwortung übernommen und trägt sie in das Bewusstsein der Bevölkerung, denn nur dort fest verankert hat unser Erbe die Chance in die Zeit moderner Herausforderungen hinein zu überdauern. Ich persönlich wünschte mir, dass auch andere Zeiträume der lokalen Geschichte vor Ort in dieser Weise fassbar und "anfassbar" erhalten werden könnten. Doch wenn sie erfasst sind, behalten sie auch im langen Dornröschenschlaf der Depots ihre Aussagen für die Nachwelt.
Jedem Menschen erschließt sich Geschichte anders bis gar nicht. Möglichst alle primären Quellen zu erhalten mag ein nicht zu erreichendes Ideal darstellen, aber ohne ein Ideal, ohne ein Ziel wird alles, was wir nicht immer unangetastet vorfinden noch mehr zum Fragment, schon weil es unmöglich scheint etwas Altes zu erhalten ohne etwas Neues zu schaffen. Für Manche mögen die Relikte der Vergangenheit nüchtern zu analysierende Objekte sein, auf die sich ein wissenschaftlich nüchterner Wissensdurst gründet, für die anderen erschließen sie sich auch emotional, über Herz und Seele. Man darf das gerne belächeln, aber es geht nichts über jenen Moment, in dem der Zufall dem Finder ein Artefakt in die Hände spielt, das zuletzt vor vielen Tausend Jahren ein Mensch in der Hand gehalten hat. Es ist sogar Leben in den Steinen, die zu uns sprechen. Wir stehen auf den Schultern unserer Ahnen.


Eintauchen in einen Brunnen aus Zeit,
sich verlieren zwischen Generationen,
dem Labyrinth von Geschlechtern folgen,
das Irrlicht des Anfangs suchen.

Kriege erleben und Hungersnöte,
Seuchen und Feuersbrünste.
Dabei wie Gott sein,
ergriffen und unbeteiligt,
mit dem Wissen
von Jahrtausenden.

Tiefer und tiefer steigen,
um jene zu treffen,
die als erste den Boden bestellten,
der sie später verschlang
und mich trägt.
Ihre und meine
geborgte Heimat
auf Zeit.     (W. Somplatzki.)


Mit freundlicher Genehmigung des Autors W. Somplatzki.

Welcome Visitors form China.

Montag, 27. Oktober 2014

525. Post. Der "wilde Feuerstein, den die Bauern Stahlfresser nennen..."

In einer Ortsbeschreibung von Blaubeuren und Umgebung des Pfarrers Jeremias Höslin von 1798 heißt es:

"...achatartige, bunte Feuersteine werden auf hiesigen Feldern gesammelt, die nachher zu Flinten- und Pistolensteinen geschliffen werden. Unreiner Achat wird aller Orten angetroffen, den die Bauern wilden Feuerstein und Stahlfresser nennen...."

"...(Hornsteine)...werden von den Bauern Stahlfresser genannt, weil sie durch ihre Härte gemeiniglich etwas von dem (Anmerkung:Feuer)-Stahl abreissen..."Jeremias Höslin 1798

Feuerstahl /(Replik Frank Trommer)  und Hornstein ( Fundort: Wirtschaft zur Germania, Sonderbuch, Beim Umbau unter dem Stallgebäude gefunden) 
Da tauchen verschiedene Begriffe auf, die einer Erklärung bedürfen. 

Unter den "achatartigen Feuersteinen" ist sicherlich der hier in primären Residuallagerstätten aus gepflügte und in sekundären Lagerstätten (Borgerhau) anstehende Hornstein gemeint, der schon in der Steinzeit hier Verwendung fand. Sie erscheinen bunt, durch ihre Entstehung als Sedimentgestein, durch Bänderungen verschiedenartiger Ablagerungen auf dem Meeresgrund und Einschlüsse bei der Sedimentation. Irgendwann im Verlaufe der Bronzezeit verlor der Werkstoff seine Bedeutung mehr und mehr als Rohstoff zur Werkzeugherstellung, nicht aber durch seine Eigenschaft bzw. Eignung zum Feuerschlagen, und wie Höslin beschreibt wohl auch durch seine Verwendung in Steinschlossgewehren.  Höslin beschreibt die markanten Rohstoffe noch an anderer Stelle, als "Geschiebe vom Kieselgeschlechte wie: Feuersteine, Hornsteine, Achatsteine, die sich überall auf den Feldern der Alp zerstreut (finden), namentlich zu Seißen, Asch, und Sunderbuch..."
Neben den im großen Stil eingehandelten Feuersteinen zum Feuerschlagen und Flintensteinen für die Steinschlossgewehre wurden die weniger "schusshaltigen" vor Ort wohl kaum in den Gebrauch für militärische Zwecke geflossen, also verkauft und verhandelt worden sein. Zum Feuerschlagen mit dem Feuerstahl dürften sie aber sicherlich aus gereicht haben, waren kostenlos frei und in großem Maße auf den Feldern verfügbar und so manches ausgepflügte Artefakt dürfte hier unerkannt schon in frühen Zeiten ein unrühmliches Ende als "Feuerstein zum Funkenlösen" oder als Flintenstein gefunden haben, da Höslin die Gewinnung  des Materials mittels Absammlung von den Feldern beschreibt. 

Was nun die Annahme betrifft, hier seien die "Achate" zu Pistolensteinen geschliffen worden, dürfte sich der Chronist wohl irren. Vielleicht hat Höslin die speckig glänzenden, im feuchten Zustand und bei härteren, dichteren Materialien sogar spiegelnden Flächen fälschlicherweise als "Schliff" interpretiert. Für einen zivilen Einsatz können die sicher minderwertigeren, quasi wohlfeilen Flintensteine im Gegensatz der im großen Stil verhandelten französischen Steine  durchaus aus gereicht haben. Auch im zivilen Einsatz wurden Flinten gebraucht, z.B. waren schon dem Namen nach der Waldschütz und der Feldschütz, mit Schusswaffen aus gerüstet, die über die Ordnung in den Fluren wachten, Ebenso waren sie für Jagdwaffen notwendig. Entsprechende Verdachtsstücke sind aus Oberflächenfunden bislang nicht erkannt worden. Der Hinweis ist auf jeden Fall ein interessantes, historisches Dokument lokaler Hornsteinnutzung bis in die Neuzeit hinein. 
Der Feuerstahl ( oft auch Feuereisen) zum Feuer/Funken-schlagen hielt sich ebenfalls sehr lange und verschwand erst mit dem Aufkommen des Schwefel- oder Zündhölzchens. Der Feuerstahl nutzte sich beim Gebrauch an dem harten Kieselgestein ab, der wohl zu dem landläufigen Namen Stahlfresser führte. Das wiederum spannt einen Bogen bis in die heutige Zeit:
Während einer Begehungspause unterhielt ich mich mit einem Landwirt, dem das begangene Feld gehört über den Hornstein und er war überrascht, welche Härte das Material doch hat und kam zu dem Schluss, dass es wohl den herumliegenden Hornsteinen geschuldet sein muss, dass sich die Messer seiner Kreiselegge so schnell abnutzen, ja einkürzen und er nicht unerfreut darüber sei, wenn diese "Stahlfresser" von den Oberflächen ab gelesen werden weil sie jedwedes Eisen- und Stahlgerät auf die Dauer verstumpfen.


Oben: Neolithische Kratzer aus Hornstein ( "wilder Feuerstein") und Flintensteine französischer Provenienz (Meusnes)
Links beginnend: Kratzer, Flintenstein, Kratzer, Flintenstein, Kratzer, Flintenstein. Noch ist kein eindeutiges Belegstück eines Sonderbucher Flintensteins bekannt. Was auf den Feldern aufgesammelt und dazu verarbeitet wurde, ging irgendwann wohl auch wieder verloren. Vielleicht versteckt sich so ein Stein irgendwo zwischen den Hunderten von Kratzern von Sonderbucher Äckern...
Höslin beschreibt die Gewinnung von Hornstein zur Verarbeitung zu Flintensteinen in der Ortsbeschreibung von Sonderbuch. Wer die Verhältnisse, im Besonderen die Fundfrequenz und die großflächigen, wenn auch oft nur sporadischen Vorkommen  hier auf der Blaubeurer und Ulmer Alb kennt kann sich gut vorstellen, dass dies auch für andere Alborte hier gelten wird und insbesondere in Zeiten geringer Erwerbsmöglichkeiten Bedeutung gehabt haben mag.

Montag, 29. September 2014

524. Post. Ein ungewöhnliches Kerngerät

Stark an die Sicheln des Baiersdorfer Plattenhornsteins erinnert ein neues Kerngerät aus Wippingen...

und damit aus einem Siedlungsareal, das an unmittelbare Hornsteinvorkommen stößt. Auf den Oberflächen und im Kontext der Lagerstätte erscheinen Artefakte unterschiedlicher Zeitstellungen, was spätestens dem Umstand geschuldet ist, dass die anstehenden Rohmaterialien über längere Zeiträume die Menschen anzog. So sind bei Grabungen auch verlagerte mittelpaläolithische Komponenten erfasst worden.

 Die Grundform ist ein ungewöhnlicher "Fladen" aus grauem, etwas grobkörnigem Hornstein, der beidseitig noch Kortex trägt.
Eine Längsseite, quasi "Laterale" ist bifaziell mit teilweise in die Fläche greifenden Retuschen modifiziert.

Die "Spitze" täuscht. Links oben befindet sich Kortex. 

Die Rückseite ist bis auf die Kantenretusche ebenfalls mit Kortex bedeckt.


Der Rücken, ein glatter Bruch, zeigt die dünne, fladenförmige Erscheinungsform und den beidseitigen Kortex

An dieser Stelle scheint das Stück vielleicht vom Rohstück getrennt worden zu sein. Es ist das Gegenstück zu der weiter oben gezeigten "Spitze"

Die Schneide nach der einen

und nach der anderen Seite. Im ursprünglich geraden Kantenverlauf fällt ein - vielleicht  rezenter Schaden der ursprünglichen Schneide auf. Da das Stück keinen Kontakt mit landwirtschaftlichen Geräten (fehlender Rost) und eine durchgehende Gleichmäßigkeit der Oberflächen aufweist, ist schwer zu sagen, ob der Schaden durch Gebrauch oder rezente Eingriffe entstand. In der Regel unterscheiden sich frische Brüche auch farblich, da die Oberfläche verwittert. Möglicherweise wurde das Artefakt frisch , also jüngst aus dem Kolluvium oder einem intakten Befund gepflügt und zeigt uns diesen Unterschied nicht. Allerdings fehlt auch jedweder metallische Glanz, den ein frischer Kontakt für gewöhnlich hinterlassen kann.
Ein Gerät aus dem Formenkreis des ( wenn der Schaden alt ist stoßenden) Schnitts, wie schon erwähnt, erinnert es an die neolithischen Sicheln ( "ziehender Skalpellschnitt") aus Baiersdorf, wäre aber hier bisher ein Novum. Die Crux ist, dass sich das Artefakt, so es denn eine Sichel sein sollte, morphologisch nicht von mittelpaläolithischen Biface-Geräten unterscheidet.

Welcome, first visitors from Irak. 

523. Post. Und weiter geht's...

...in westlicher Richtung, ausgehend vom Flurstück: (Post 515)

http://lesefunde.blogspot.de/2014/06/515-post-neue-fundstelle-nahe-blauberg.html

Erste Funde auf einem bereits wieder eingesäten Acker:

Fragmentierte Pfeilspitze. Das Proximalende der Grundform bildet für gewöhnlich die Spitze der Projektile, das hier rezent der Bodenbearbeitung zum Opfer gefallen ist. Entscheiden für die Datierung ist sie jedoch nicht.
Mit der ersten Pfeilspitze, unilateral, bifaziell Kanten retuschiert und mit konkaver Basis, nähern wir uns zeitlich dem schon in der Umgebung Festgestellten./ Eher älterneolithisch erscheint auch diese Pfeilspitze. In späteren Zeitstellungen erscheinen Pfeilspitzen dieser Art flächig retuschiert. Siehe die Pfeilspitzen von Post 516.
Klingenkern, Klüfte durchziehen den Kern, der deshalb vorzeitig verworfen wurde.
Im Umfeld "unversiegbarer Ressourcen" quasi direkt vor der Haustür, ist das Gewicht der Restkerne entsprechend hoch und belegt einen großzügigen Umgang.
Alle aufgenommenen Fundstücke im Bereich der Lagerstätte Blauberg werden mittels Hand-GPS in der Fläche ein gemessen. Interessant wäre, aus welchen Provenienzen sich die Rohmaterialquellen zusammen setzen und ob ein Schwerpunkt durch den nahen Blauberg erkennbar ist..

Oben und unten: Abschlag mit hoher Lateralretusche und von Gebrauchsspuren überprägter Kratzerkappe.
Die Lateralretusche, Grundform Abschlag.

Mittwoch, 24. September 2014

522. Post. Eine (u.a.mittel-)paläolithische Komponente im Neolithischen Siedlungsgebiet...

...konnte auf einem ausgedehnten Siedlungskomplex bei Wippingen ausgemacht werden.


Die mittelpaläolithischen und wohl auch paläolithischen  Funde kamen dabei nicht aus Befunden und gelten als verlagert. Älterneolithische Artefakte weisen auf der Blaubeurer Alb meist keinerlei Verwitterungserscheinungen ("Patina") auf. Anders dagegen Artefakte aus älteren Zeitstellungen. So gilt auch ein gewisses Augenmerk entsprechenden Verdachts"fällen".


In diesem Areal fallen immer wieder, vor allem gegen Ende der Hochfläche im Bereich der Talkante "archaisch wirkende Artefakte" auf, die in einem Kontext einer Primären Residuallagerstätte auf der Oberfläche erscheinen.
Ältere Artefakte aus Hornstein erscheinen dabei ungewöhnlich stark verwittert, oft ledergelb in einer Weise, die sich von den gelb bis rötlich-braunen Varietäten des Bohnerzhornsteins unterscheidet, dessen farblich geprägten Erscheinungsformen seinerseits durch Eisenoxideinlagerungen während der Sekundärlagerung erworben wurden, also schon im Rohmaterial vorhanden sind. Das gilt auch für das an der Oberfläche erscheinende, oft intentionell zerlegte Rohmaterial dort.

Die Unterscheidung setzt einen Anschliff voraus, wenn nicht eine rezente Beschädigung die ursprüngliche Rohmaterialerscheinung während der Herstellung des Artefaktes erkennen lässt.

Einer der "üblichen Verdächtigten"....:heute Neu...

Dorsalseite eines großen Abschlages aus Wippingen.
Ein unilateral retuschierter Abschlag. Das Distalende (oben) war intensiv in Gebrauch und zeigt deutliche Gebrauchsspuren. Die linke Laterale weist unbeschädigte und nicht durch Gebrauch überprägte Retuschen auf. 
Rechtslateral zeigt das Artefakt grobe Retuschen. Hier hat an einer Stelle ein rezenter Eingriff - wohl durch eine Landmaschine - einen Blick auf das ursprünglich hellere Material geschaffen.
Das zerrüttete Distalende,  Eine Art "Kratzerende mit nasenförmigen  Vorsprüngen" zeugt von intensivem Gebrauch

Die Ventralseite lässt den harten, direkten Schlag erkennen, wofür der Bulbus, die Schlagmarke, aber vor allem auch der Schlagflächenrest sprechen. Die Schlagtechnik ist für das gesamte Paläolithikum, aber auch für die Herstellung grober Grundformen im Neolithikum typisch.
Im gesamten Fundkomplex wird immer wieder deutlich, dass das Areal - durch vielerlei Faktoren begünstigt -  über sehr lange Zeit ein begehrter Siedlungsplatz gewesen sein muss. Einzelfundeinmesssungen sind unerlässlich. Vor allem die letzten Siedlungsphasen erscheinen naturgemäß auf den Oberflächen. Die starken Erdbewegungen durch kolluviale Vorgänge lassen aber auch vermuten, dass die ältesten Oberflächen nicht mehr vorhanden sind. Diese Erdbewegungen sorgen neben den landwirtschaftlichen Eingriffen dafür, dass alle Zeitstellungen auf den Oberflächen streuen.

Mittwoch, 3. September 2014

521. Post. Und es geht weiter...

Neue Funde auf der Blaubeurer Alb.

Der Letzte Post ist zwar schon eine ganze Weile her, doch Vieles ist inzwischen passiert.

Alle Fundstellen liegen derzeit durch die Bodenbearbeitung nach einer durchschnittlich guten bis sehr guten Ernte zumindest teilweise wieder offen. Ein Sommer, der dieses Jahr für die eher Wärme liebenden Vertreter unserer Spezies die Erwartungen nicht erfüllt, bescherte in den letzten Tagen den frisch bearbeiteten Flächen jedoch eine kräftige "Dusche" - die beste Voraussetzungen für Prospektionen schafft.
Einzelfundeinmessung auf einer neolithischen Siedlungsfläche. Eine Stelle, die wie es aussieht Funde aus unterschiedlichen Zeithorizonten liefert. Da neben älter neolithischen Artefakten auch jüngere Zeitstellungen an den Oberflächen erscheinen, muss man befürchten, dass zumindest die jüngsten Laufhorizonte zerstört sind und sich bereits im Pflughorizont bewegen. Ihre Verteilung in der Fläche ist damit die letzte Impression und entsprechend zu behandelnder  Nachweis der jüngsten Zeitstellung auf dieser Fläche und im Befund vielleicht nicht mehr erfassbar. 

Unilateral retuschierter  "Klingenkratzer," der vielleicht ursprünglich noch etwas länger war, weil das Proximalende mit dem Bulbus fehlt. Morphologisch erfüllt die Grundform  durch ihr Länge-Breiten-Verhältnis die Definition einer Lamelle. Hier war nicht nur die Kratzerkappe am Distalende der Grundform, sondern auch beide Lateralen Funktonsenden bzw. Arbeitskanten.

Rohmaterial (noch) unbekannter Provenienz. Importiertes Rohmaterial ( hier ein Kern) liefert schon an sich wichtige Informationen über Verbindungen zu Lagerstätten, die sehr weit weg liegen können. Angesichts der üppigen Rohmaterialversorgung direkt vor Ort (Hornstein) wird es für das Auftreten eines alternativen Rohstoffes aber noch andere Gründe geben als bloße Materialbeschaffung.

Freitag, 20. Juni 2014

520. Post. Funktion: Dechseln, Meißeln, Zerstoßen...

Ein ausgesplittertes Stück ... aus dem Formenkreis des "stoßenden Schnitts". (-Grobgerät)

Ein kleines artefaktmorphologisches "highight", liefert ein ausgesplittertes Stück aus einer Siedlung bei Wippingen.
Ein "Highlight" deshalb, weil die herkömmliche, wissenschaftliche Klassifizierung des Fundes in typologische Formen unter neutraler Nomenklatur den funktionalen Aspekt nicht wirklich deutlich zu machen vermag. Es zeigt mehrere Aspekte unterschiedlicher Verwendung. Der Versuch einer klaren Ansprache führt daher auf's Glatteis.

Die Grundform ist ein Kern-Trümmerstück. Natürliche Klüfte machten den Kern für einen weiteren Abbau unbrauchbar. Doch fand es dann eine sehr ausgeprägte, sekundäre Verwendung, die es in den letztlich überkommenen Zustand brachte.
Das Trümmerstück wurde allem Anschein nach - ähnlich dem Faustkeil - in der Hand geführt und vor allem das stumpfe Ende das sich durch einen großen Stufenbruch herausbildete, lieferte dazu quasi die "Handhabe" Ähnliche ausgesplitterte Stücke, die als Meißel Verwendung fanden, haben auf der Gegenseite zur Arbeitskante  charakteristische, ebenso deutliche Aussplitterungen bzw. Zermürbungen, die die Schlaggeräte verursachen. (Zwischenstück)

Neben der Funktion eines Meißels haben wir auch die Funktion eines Klopfers, da die Schlag/Stoßkraft allein durch das Führen mit der Hand entstand. Mit der sich durch das Auftreffen und den damit verbundenen Ausbrüchen wohl immer aufs Neue "sich selbst schärfenden Kante", wurde so wohl ein "stoßender Schnitt" aus geführt.
Aber nicht nur das, Die Arbeitskante folgt dem gesamten Stück unilateral auf einem ungebrochenen Saum, sodass sowohl eine sehr scharfe, als auch eine sehr stumpfe Kante Verwendung fand. Die Flächen sind nicht davon betroffen. Stellenweise sind die Kanten verrundet.

Die Funktionen lassen sich rein optisch ohne Gebrauchsspurenanalyse wie folgt mutmaßen: stoßender Schnitt, Dechseln, Meißeln, Klopfen, vielleicht auch Walken oder Zermürben.











Mit dieser Mulifunktionalität kommt das zweifellos neolithische Stück den ebenfalls in der Hand geführten Faustkeilen typologisch nahe. Der große Unterschied besteht darin, dass das neolithische Stück nicht gezielt für seine Funktionalität geschaffen wurde.