Sonntag, 24. Dezember 2017

649. Post. Umgepflügt wünscht schöne Feiertage!


UMGEPFLÜGT
wünscht schöne Feiertage!

Das Jahr schloss mit 650320 Aufrufen, eigene eingeschlossen.

Sonntag, 22. Oktober 2017

648. Post. Das archäologische Jahr in Sonderbuch 2017

Wird noch UMGEPFLÜGT...und liefert es neue Erkenntnisse?

Anhand des enormen Rückgangs meiner Posts entsteht der Eindruck, es tue sich nichts (mehr) auf den Feldern, doch gehen die Landwirte weiterhin ihrer Tätigkeit nach, das Fundaufkommen wäre auch dementsprechend hoch, doch was stagniert ist das Sammeln, da es auf den bis jetzt bekannten Flächen stark eingeschränkt wurde und auch weiterhin eingeschränkt bleiben wird. Neue Fundflächen sind nicht hinzugekommen.

Wie der vorangegangene Post bereits andeutet, beschränkt sich meine (ehrenamtliche) Tätigkeit auf das Überwachen schon bekannter Flächen in Bezug auf bedrohliche Eingriffe über die Feldbestellungen der Landwirte hinaus und kommt mehr und mehr der oft gehörten Forderung nach Belassen "in situ" entgegen. Mit einer Sammlung "die aus allen Nähten platzt" ist niemand und keiner Sache gedient. 

Die Wissenschaft, die Denkmalpflege... braucht diese Fundmassen nicht in Bereichen, die fast hinreichend bekannt sind und an allgemeinen, neuen Erkenntnissen nur wenig zu liefern vermögen. Von Interesse sind archäologisches Neuland und jene Denkmalbereiche, denen zum Beispiel im Sog der "Unesco-Welterbeernennung" auch wissenschaftliche und öffentliche Aufmerksamkeit zuteil wird wie eben die von mir entdeckten  Fundstellen des Paläolithikum. Die Euphorie des jahrelangen Entdeckergeistes ist deshalb besonders im Verlaufe eines Jahres der für mich persönlich nüchternen und nur nach und nach einsehbaren  Aufarbeitung von Teilen der Sammlung durch den Masterstudenten B. Schürch gewichen und mit einem deutlichen Rückgang der Sammelleidenschaft verbunden. Es kann nicht sein, dass sie in den Verruf von Erfüllung egomanen Selbstzwecks gerät und subjektiv sinnvoller erscheint, als objektiv nach Abwägung aller Gegenargumente tatsächlich ist. Ein kleines Echo fand die Sammlung dieses Jahr in der hier vorgestellten Präsentation im Ascher Rathaus mit Funden  aus ausschließlich Ascher Fundflächen.

( http://lesefunde.blogspot.de/2017/02/632-post-ausstellung-zur-ortsgeschichte.html)

Der Steinzeit soll in einem Aufsatz im geplanten Ascher Heimatbuch ein eigenes Kapitel gewidmet werden. Meine Autorenschaft wurde angefragt.
Pfeilspitze des frühen Neolithikums, der Bandkeramik aus 2017,
Sonderbuch

Gemessen an der Aufmerksamkeit von Wissenschaft, Denkmalpflege und Öffentlichkeit wirkt das Sammeln wirklich oft als reiner Selbstzweck und sollte aus meiner Sicht schon über das eigene Leben und persönliche Interessen und Motive hinausweisen, und einen wissenschaftlich fundierten Sinn  erfüllen, und von der Philosophie alleine und ohne Bestätigung ernährt sich das Ego im Tagesgeschäft oft nur mühsam. Aufgrund der frugal erscheinenden neuen Erkenntnisse und Ereignisse muss sich ein Jahresresümee ausmachen wie der vielzitierte Lärm um nichts. Großer Aufwand erwartet nicht nur Resonanz, sondern auch Anerkennung. In der Tat wollte mir scheinen, dass durch das Ehrenamt und die Funktion eines amtlich geschulten Sondengängers die Arbeit leicht zu lästiger Pflicht werden könnte, doch blieben die Aufträge mit deren Zuwachs ich rechnete weit hinter den Erwartungen zurück. Weit hinter den Erwartungen zurück blieb für mich auch der Sinn der Sondengängerei an sich und hat sich in der Praxis in noch mehr Ambivalenz wiedergefunden, als schon theoretisch im Vorfeld der Schulung und in der Ausübung hat sich nicht mehr Sinn erschlossen.
Ein Bauer kann unkontrolliert  und unter Wahrung aller Rechte und Gesetze zum Schutz von Bodendenkmalen eine Wiese, die seit Menschengedenken Wiese war zu einem Acker umbrechen und ist lediglich den Gesetzen der Landwirtschaft verpflichtet. Eine Erlaubnis, eine Wiese mit der Sonde zu prospektieren ist dagegen in Baden Württemberg  fast unmöglich und im Vorfeld einer Umnutzung nicht vorgesehen und nicht erwünscht. Da eine landwirtschaftliche Umnutzung denkmalpflegerisch nicht meldepflichtig ist und so  an der Denkmalpflege vorbei geht, leistet ein modernes Schutzgesetz der Zerstörung Vorschub. Offenbart die Umnutzung die Zerstörung eines Bodendenkmals, haben alle aufgrund eines absurden Schutzgesetzes verloren, allen voran das Denkmal. Illegal hätte es vielleicht erkannt werden können, aber einen legalen Weg gibt es hier für die Sonde nur, wenn auf einem Acker oder einer Wiese etwa ein Gebäude errichtet werden oder ein Flurstück einer Straße weichen soll, also "überplant" ist. Hier hat dann vielleicht ein illegaler "Sondengänger" längst eruiert, vielleicht auch längst ausgegraben, was einem legalen verborgen bleibt. Absurd. Absurd auch, dass ein Landwirt fortschreitend zwischen und auf keltischen Großgrabhügeln Landwirtschaft betreiben kann, was auch sein gutes Recht ist, die Sonde aber auf einer eingetragenen Denkmalfläche nicht zum Einsatz kommen darf. Die Regel scheint es auch zu werden, dass sie selbst auf überplanten Flächen erst zum Einsatz kommt, wenn die Bagger schon ganze Arbeit geleistet haben, weil hier die Bürokratie weit hinter der Idealvorstellung zurückbleibt, oder Meldepflichten nicht sehr ernst genommen werden oder nicht einmal eine Eintragung in die Denkmalliste schützend greift. Einen Schuldigen findet man dann vielleicht nicht mehr, was ja auch unerheblich ist, weil man mit Beantwortung der Schuldfrage ohnehin keine Zerstörung rückgängig machen kann. Die amtlich genehmigte Sondengängerei bleibt Fragment und Ergänzung  in einem Flickenteppich auch fragwürdiger und teilweise unzureichender Maßnahmen, die unter dem Begriff Denkmalpflege subsummiert sind. Ein sich verändernder Weg bleibt das Ziel, das zudem in Gänze von finanziellen und personellen Engpässen diktiert wird. Mit zunehmendem Alter und den damit verbundenen, fortschreitenden Einschränkungen werden derartige Resümees auch irgendwie zu Lebensbilanzen.
Auch das ehrenamtliche Tun muss sich so laufend seinen Weg suchen, anpassen und modifizieren, damit derlei Erkenntnisse kein Schlusswort in einem blog oder schlimmer noch, der Tätigkeit selbst ergeben.

Ein weiteres Schlaglicht auf die paläolithischen Funde und einen Ausblick auf die Forschungen, die 2018 im Gelände fortgeführt werden sollen bietet der Aufsatz von Benjamin Schürch im Band 60 der Reihe Ulm und Oberschwaben, der Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Kultur, erschienen bei Thorbecke.

Stand der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Sammlung R.Bollow in der Zeitschrift Ulm und Oberschwaben...Band 60,  2017. Hier zum Kauf und zur Lektüre empfohlen.
http://www.schwaebische.de/panorama/kultur_artikel,-Buchvorstellung-Ulm-und-Oberschwaben-Band-60-_arid,10787088.html
http://www.schwaebische.de/panorama/kultur_artikel,-Buchvorstellung-Ulm-und-Oberschwaben-Band-60-_arid,10787088.html
Hier die Bestelladresse bei Thorbecke:
http://www.thorbecke.de/ulm-und-oberschwaben-p-2283.html?cPath=316_412

ISBN: 978-3-7995-8050-2
Mehrschlagstichel, Paläolithikum, wohl Aurignacien, Sonderbuch
Freizeit im Ehrenamt, oder was vom Leben bleibt...

Dienstag, 26. September 2017

647. Post. not collected artefacts.

Umgepflügt...


Nicht aufgenommene Artefakte

von einem neolithischen Schlagplatz, unweit der neolithischen Siedlungen von Höfermahd und Müllerfeld nahe Wippingen.

Experiment. 

Die Forderung, Artefakte genau dort liegen zu lassen wo sie liegen, um die Verteilung in der Fläche nicht zu stören, um die Fundstelle nicht ihres Inventares zu berauben... um ...das Problem nicht bearbeiteter Sammlungen noch weiter zu vergrößern,  um... und...etc...

 ...kommt auch und gerade von vielen Archäologen.

Am 26. September 2017 war eine Stunde lang nur die Kamera Zeuge der Oberflächenfunde. Was für Gedanken haben Sie?





Aber: was an der Oberfläche liegt, wird demnächst Opfer der Kreiselegge...oder es landet in anonymer Sammlung und wird verschleppt...oder man kann es nächste Woche bei eBay kaufen...vielleicht wird der Frost das bis nächstes Frühjahr zerstören...und es muss wenigstens erfasst und eingemessen werden...und...oder...oder...etc...







Nicht die komplette chaîne opératoire  auf kleiner Fläche. Grobzerlegung ohne modifizierte, gebrauchte und verworfene Werkzeuge, ohne nachgewiesene Rohmaterial - Lagerstätte zu sein. Siedlungsnähe! Nähe zur Lagerstätte ca. 1 km.

https://en.wikipedia.org/wiki/Chaîne_opératoire








Zu Prospektionen:
http://archaeologie-verstehen.de/Grundwissen/Prospektion







approximately 35 not collected artefacts

siehe auch:

http://archaeologik.blogspot.de/2017/09/die-markt-und-andere-krankheiten-der.html

es gibt einfach Zuviel davon

Mittwoch, 6. September 2017

646. Post. Zeitspannung.

Vergangenheit und Gegenwart und ein himmlischer Fingerzeig in die Zukunft?

Wasserdampfwolke des Atomkraftwerkes Gundremmingen über der paläolithischen Freilandfundstelle Sonderbuch-Wippingen.


645. Post. "Stark Patiniertes" im neolithisch dominierten Siedlungsgebiet.

Parallele zu Post 522 vom Mittwoch, 24. September 2014

Wieder ein Fund mit archaischer Erscheinung ...

der auf einem ausgedehnten Siedlungskomplex bei Wippingen eingemessen werden konnte.


Die mittelpaläolithischen und wohl auch paläolithischen  Funde der mehrfach vorgestellten Fundstelle gelten als verlagert. Älterneolithische Artefakte weisen auf der Blaubeurer Alb meist keinerlei Verwitterungserscheinungen ("Patina") auf. Anders dagegen Artefakte aus älteren Zeitstellungen. So gilt auch ein gewisses Augenmerk entsprechenden Verdachts"fällen".


In diesem Areal fallen immer wieder, vor allem gegen Ende der Hochfläche im Bereich der Talkante "archaisch wirkende Artefakte" auf, die in einem Kontext einer Primären Residuallagerstätte auf der Oberfläche erscheinen und deren Streuung sich durch einfache Grobzerlegung, durch Prüfung des Materials auf seine Brauchbarkeit auszuzeichnen scheint. Den Großteil bildet eher unbrauchbares, nach kurzer Prüfung in unbekannter Zeitstellung verworfenes Material und derbes Rohmaterial, grobe Hornsteine und Kieselkalke, die keinerlei artifizielle Veränderungen aufweisen oder von Deutz & Co zerlegt wurden.

Ältere Artefakte aus Hornstein erscheinen dabei zuweilen ungewöhnlich stark verwittert, oft ledergelb in einer Weise, die sich von den gelb bis rötlich-braunen Varietäten des Bohnerzhornsteins unterscheidet, dessen farblich geprägten Erscheinungsformen seinerseits durch Eisenoxideinlagerungen während der Sekundärlagerung erworben wurden, also schon im Rohmaterial vorhanden sind. Das gilt auch für das an der Oberfläche erscheinende, oft intentionell zerlegte Rohmaterial dort, das aber wie beschrieben oft starke Beschädigungen durch landwirtschaftliche Arbeiten zeigt und so  auch morphologische Einbußen und Verfälschungen hinnehmen muss. Auch Filter dieser mechanischen und durch entsprechende landwirtschaftliche Einträge chemischen Alterungsproesse müssen zur Einschätzung von Artefakten eingelegt werden.
Die sichere Unterscheidung setzte wohl jeweils einen Anschliff voraus, wenn nicht eine rezente Beschädigung die ursprüngliche Rohmaterialerscheinung während der Herstellung des Artefaktes erkennen lässt, was nicht immer der Fall ist.


Im gesamten Fundkomplex wird immer wieder deutlich, dass das Areal - durch vielerlei Faktoren begünstigt -  über sehr lange Zeit ein begehrter Siedlungsplatz gewesen sein muss oder auf der Suche nach geeignetem Rohmaterial aufgesucht wurde. Möglicherweise war der Rand des Talkessels auch von jagdstrategischer Bedeutung, bevor hier erste Bauern wirtschafteten. Auch die Bronzezeit hat hier Spuren hinterlassen und das Fundaufkommen auf den Oberflächen, sowie die Stratigraphie mitgeprägt. Einzelfundeinmessungen sind unerlässlich. Vor allem die letzten Siedlungsphasen erscheinen naturgemäß auf den Oberflächen. Die starken Erdbewegungen durch kolluviale Vorgänge lassen aber auch vermuten, dass die ältesten Oberflächen nicht mehr vorhanden sind-Diese Erdbewegungen sorgen neben den landwirtschaftlichen Eingriffen dafür, dass alle Zeitstellungen auf den Oberflächen streuen. Auch die Schäden der starken Erdbewegungen der ersten neolithischen Siedler durch Haus- und Pfostengruben auf dem sporadisch begangenen paläolithischen Stratum sind zu vermuten. Da die Deckschicht zum geologisch gewachsenen Horizont sehr dünn ist, muss entsprechend sorgfältig mit dieser letzten Impression der Siedlungsentwicklung umgegangen werden und Artefakte haben in Liebhabersammlungen nichts zu suchen. Gerade hier haben sich mindestens seit den 1950er Jahren zahllose Sammler bedient und da erscheint das "Greening" (http://www.bauernverband.de/infos-zur-umsetzung-des-greening)  als wahrer Segen, die winterliche Zwischensaat, die das sprichwörtliche Gras über der Sache wachsen lässt.

Heute neu:

Ventralseite, SFR unten
 Eine Grundform: Abschlag der Grundproduktion, unmodifiziert, jedoch mit ventralen Ablösungen und damit vielleicht im Ansatz beginnende Modifikation, wenn nicht rezent beschädigt.
Ventralseite, Sfr oben
 Der Bulbus, Relikt des direkten, harten Schlags zeigt eine stark ausgeprägte Schlagmarke, die den Bulbus auf den ersten Blick nicht erkennen lässt. Zeugen eines mächtigen Impacts. Die Lateralkanten entsprechen bis auf  deren Bestoßungen, die als Ereignisse schon sehr lange zurückliegen müssen der geschlagenen Grundform. Partiell tragen die Lateralen Kortex, Zeichen für rindennahen Abbau.  Die Patina spricht dafür, dass die Entstehung des Artefakts nicht nur schon sehr lange zurück zu liegen scheint, sondern das Artefakt sich auch schon sehr lange im Pflughorizont bzw. auf Oberflächen herumgetrieben haben muss. Das kommt nicht aus einer rezent umgepflügten, neolithischen Grube. Schade, dass uns der Steinschläger kein modifiziertes Werkzeug, kein Gerät hinterlassen hat, das uns den Zeitraum seiner Entstehung verraten kann...Hornstein zeigt an und für sich wenig und lange keine Patina, sodass man bei vielen Stücken mit ausgeprägter Patina auch ein eher höheres Alter annehmen möchte.

Dorsalseite Sfr unten
Die Schlagtechnik ist für das gesamte Paläolithikum, aber auch für die Herstellung grober Grundformen im Neolithikum typisch.




Dienstag, 29. August 2017

644. Post. Bifaziell abgebaut.

Kurioser Kern aus einem Abschlag

Wie die Grenzen fließen können

Eines der ersten Artefakte nach der Sommerpause zeigte sich auf einer neolithisch dominierten Fundstelle im Bereich zahlreicher Erdfälle, von denen nur eine noch als Naturdenkmal erhalten blieb, die anderen vor vielen Jahren zugeschüttet wurden.

Maßgebliches Interesse der Universität fand die Fundstelle durch eine bemerkenswerte Zahl  an paläolithischen Funden, die das Bild der Blaubeurer Alb in mittelpaläolithischer und jungpaläolithischer Zeit (Aurignacien) verändern werden.

Aus den nur noch wenigen eingemessenen und von mir aufgenommenen Funden stammt aktuell ein Kern, der wie ein bifaziell modifiziertes Werkzeug erscheint und durch seine marginalen Reduktionen ( etwa nach Art der diskoiden Kerne) und Gebrauchsspuren eine umlaufende, unilaterale Schneide bildet.
Ventralseite der Grundform
Der Bulbus der Grundform ist abgelöst-

Dorsalseite mit Kortex

 Wem beim Auffinden dabei nicht der Atem stockt, den lassen Urgeschichte und Artefaktmorphologie an sich kalt. Ein Kern mit einem Habitus, der dem eines kleinen Faustkeils doch sehr ähnelt, zumal ein Verwendungszweck der gewonnenen Abschläge wenig sinnvoll erscheinen will. Aus dem neolithischen Typenkanon drängt sich am ehesten der Typus eines kleinen Schlagsteines auf, zu dessen Gebrauch und heutiger Definition als Werkzeug der Abbau auch als Modifikation verstanden werden kann. Leider ist die Funktion als Schlagstein für mich nicht sicher.